Schöllkraut

Das Schöllkraut ist unseren Breiten an Wegrändern oder am Gewässerufer zu finden. Die Pflanze mit den gelben Blüten und geschwungenen Blättern ist ein altes Hausmittel gegen Warzen und anderen Beschwerden, welche die Haut betreffen. Bei der Verwendung ist vor allen Dingen der orangefarbene Milchsaft von Bedeutung, der sich in den Blättern, als auch in den Stängeln befindet.

Diejenigen, die das Schöllkraut verwenden möchten, sollten einiges beachten, denn manche Bestandteile der Pflanze sind hoch giftig.

Die bis zu einem Meter hoch wachsende, ausdauernde Pflanze findet sich oft auf stickstoffreichen Böden, oft in der Nähe von Schuttplätzen, Zäunen, Hecken und am Wegrand. Beim Pflücken tritt der besagte Milchsaft aus. Schöllkraut verfügt über einen scharfen und bitteren Geschmack und einen widerlichen Geruch. Medizinisch verwendet werden das im Herbst gesammelte Kraut und die Wurzeln.

Das natürliche Herkunftsgebiet liegt in Mitteleuropa und in Nordeuropa. Heute findet sich das Kraut sowohl in Nordamerika und wird dort im großen Stil angebaut. Das Schöllkraut (Chelidonium majus) gehört der botanischen Familie der Mohngewächse (Papaveraceae) an und ist einer der wichtigsten Heilkräuter dieser Pflanzengattung. Unter anderem zählen noch dazu der Klatschmohn und der Erdrauch.

Steckbrief: Schöllkraut

Pflanze: Chelidonium majus L.
Familie: Mohngewächse (Papaveraceae)
Herkunft: Die Pflanze ist in Europa, sowie in Mittel- und Nordasien beheimatet. Drogenimporte stammen aus Osteuropa.
Synonyme: Blutkraut, gelbes Millkraut, Goldwurz, großes Schöllkraut, Schellkraut, Schillkraut, Schwalbenwurz, Warzenkraut, Wulstkraut

Anwendung:

Schöllkraut enthält in sämtlichen Pflanzenteilen Benzylisochinolinalkaloide, die ähnlich dem Papaverin leicht krampflösend auf den oberen Gastrointestinaltrakt wirken, proteolytische Enzyme und Pflanzensäuren. Ebenso werden dem Schöllkraut eine anregende Wirkung auf den Gallenfluss und eine schmerzhemmende Wirkung nachgesagt. Daher werden Zubereitungen aus Schöllkraut bei krampfartigen Beschwerden der Gallenwege und des oberen Magen- Darmtraktes angewendet.

Der Gehalt an wirksamen Alkaloiden ist sehr stark abhängig vom Standort der Pflanze, sowie des Sammelzeitpunktes und des Trocknungsverfahrens.

Hinweis:
Seit dem Jahr 2008 ist die Zulassung für schöllkrauthaltige Arzneimittel vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte auf eine Maximaldosis von 2,5 Milligramm Gesamtalkaloide (berechnet als Chelidonin) reduziert worden. Hintergrund ist: Schöllkraut kann in höheren Dosen möglicherweise Leberschäden verursachen und die Organfunktion dadurch bedingt beeinträchtigen.

Einige Personen reagieren allergisch auf Schöllkraut. Kommt es zu irgendwelchen Reaktionen, sollte der Betroffene unverzüglich einen Arzt aufsuchen. Darüber hinaus kann es in einigen Fällen zu Magen- Darmbeschwerden, einer Verschlechterung der Leberfunktion, sowie Gelbsucht kommen.

Schöllkraut darf auf keinen Fall zur Anwendung kommen, wenn eine Person Gallensteine hat oder einen Verschluss der Gallengänge bedingt durch Gallensteine. Ebenso gilt der Verzicht für Menschen, die unter einem Magen- und/ oder einem Zwölffingerdarmgeschwür leiden. Bei Kindern unter 6 Jahren, während einer Schwangerschaft und in der Stillzeit sollte grundsätzlich der Konsum vermieden werden.

Während die Anwendung früher als eher unbedenklich galt, sind seit 1997 jedoch zunehmend Nebenwirkungen beobachtet worden, die zu einer Einschränkung der Leberfunktion führten (Anstieg der Leberwerte, Cholestase, Hepatitiden). Da Schöllkraut als Gallenmittel Verwendung findet, sind solche Nebenwirkungen besonders kritisch zu betrachten, da sie leicht der Grundkrankheit und nicht dem Präparat zugeschrieben werden könnten (s. Hinweise).

Volksmedizinisch wird der frische Milchsaft aus dem Stängel zur örtlichen Behandlung von Warzen verwendet.

Sämtliche Präparate die Schöllkraut enthalten oder damit angereichert wurden, sollten so eingenommen werden, wie es die Packungsbeilage fordert oder es wird die Dosierung angewendet, die vom behandelnden Arzt empfohlen wurde.

Inhaltsstoffe:

Schöllkraut hilft bei Erkrankungen der Galle, Erkrankungen der Leber, Hautkrankheiten, Hühneraugen, Magenkrämpfen und Warzen. Die besonderen Inhaltsstoffe sind:

  • Alkaloide
  • Apfelsäure
  • ätherische Öle
  • Bernsteinsäure
  • Bitterstoffe
  • Chelidonsäure
  • Flavone
  • Kaffeesäurederivate

Die innerliche Nutzung von Schöllkraut kommt heute nicht mehr zum Tragen, da es umstritten ist. In der gesamten Pflanze finden sich hohe Anteile giftiger Alkaloide, die sich besonders in den Wurzeln stark ausbreiten. Die giftige Wirkung allerdings lässt nach, wenn das Kraut zur Trocknung kommt. Die Giftstoffe variieren jedoch, je nach Standort, Jahreszeit und Pflanzenart.

Schöllkraut wird frisch oder getrocknet vor allem bei Hautkrankheiten angewendet. Das Kraut ist hilfreich bei Warzen, Ekzemen, Akne, Hühneraugen, Schuppenflechte und Schwielen. Für die Ernährung ist die Pflanze nicht geeignet, da die Inhaltsstoffe leberschädigend wirken, sowie den Magen- Darmtrakt reizen, was wiederum zu Erbrechen und Kreislaufstörungen führen kann.

Dosierung:

Heute enthalten nur noch wenige Präparate das Schöllkraut, lediglich in einigen Kombipräparaten ist der Trockenextrakt enthalten. In der Regel handelt es sich hierbei um gallentreibende Mittel, als auch Magen- Darm- Mittel. Wer Schöllkraut lagern möchte, sollte dieses an einem trockenen und dunklen Ort platzieren.

Soweit es nicht anders verordnet wurde, beträgt die mittlere Tagesdosis 2 bis 5 Gramm der Droge bzw. 12 bis 30 Milligramm der Gesamtkaloide. Eine Teezubereitung entfällt, denn die Alkaloiddosis in einem Tee kann nur sehr schwer eingestellt werden.

Tee:

Die innerliche Anwendung des Schöllkrauts als Tee ist nicht mehr gebräuchlich.

Mittlere Tagesdosis:

Aufgrund des Stufenplans durch das BfArM vom 09.04. 2008 sind nunmehr Fertigarzneimittel zugelassen, deren Tagesdosierung 2,5 mg Gesamtkaloide berechnet als Chelidonin nicht überschreitet.

Hinweis:
Die Dosierung sollte auf jeden Fall gemäß der Gebrauchsinformation stattfinden. Bei einer Anwendung die sich über einen Zeitraum von länger als vier Wochen hinzieht, sollte der Arzt einen Leberfunktionstest durchführen.

Zubereitungen:

Schöllkraut ist ein Bestandteil unterschiedlicher Fertigarzneimittel aus der Gruppe der Spasmolytika und Gallemittel. Der Handel bietet Zubereitungen aus dem Schöllkraut unter anderem als Tropfen (Tinktur) an. Die Arzneidroge ist in Apotheken und gut sortierten Drogerien verfügbar. Schöllkraut wird ebenfalls aufgrund des Gattungsnamens als Chelidonium bezeichnet.

Die Zubereitungen verfügen über unterschiedliche Eigenschaften. Hierzu gehören:

  • gallentreibend
  • krampflösend
  • schmerzlindernd
  • entzündungshemmend
  • beruhigend
  • antimikrobiell
  • antiviral

Kontraindikationen:

Zu den Kontraindikationen gehören unter anderem:

  • Überempfindlichkeit
  • Schwangerschaft
  • Stillzeit
  • akute Lebererkrankungen
  • bei Kindern unter 6 Jahren

Sollten sich Anzeichen wie beispielsweise Müdigkeit, Appetitverlust, Gelbsucht (gelb Färbung der Augen und Haut), dunkler Harn, entfärbter Stuhl oder erhöhte Leberwerte zeigen, ist das Arzneimittel unverzüglich abzusetzen.

Nebenwirkungen:

Bei der Verabreichung sehr hoher Dosen sind lebertoxische Nebenwirkungen zu befürchten. Sehr selten wurde über ein akutes Leberversagen, Hepatitis oder veränderte Leberfunktionswerte berichtet.

Hinweise:

  • Nicht bei akuten Lebererkrankungen, Lebererkrankungen in der Vorgeschichte und/ oder bei gleichzeitiger Einnahme leberschädigender Arzneimittel (z.B. Paracetamol) oder im Zusammenhang mit Alkohol anwenden!
  • Bei der Einnahme insbesondere von Schöllkraut haltigen Präparaten wurde ein Anstieg der Leberwerte, des Bilirubins bis hin zu arzneimittelbedingter Gelbsucht, sowie Fälle von Leberversagen beobachtet.
  • Wenn Zeichen einer Leberschädigung (Gelbfärbung der Haut oder Augen, dunkler Urin, entfärbter Stuhl, schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Appetitverlust, Müdigkeit) auftreten, ist die Einnahme sofort zu beenden und ein Arzt aufzusuchen.
  • Nicht während der Schwangerschaft und Stillzeit, sowie bei Kindern unter 6 Jahren anwenden!
  • Bei einer Anwendungsdauer von über 4 Wochen sollten unter allen Umständen die Leberwerte kontrolliert werden!
  • Bei Beschwerden, die länger als eine Woche andauern oder regelmäßig wiederkehren, sollte ein Arzt konsultiert werden! Bei Gallensteinen nur nach Rücksprache mit einem Arzt anwenden!
  • Aufgrund der z. T. beobachteten schweren Nebenwirkungen und der bisher nur unzureichend belegten Wirksamkeit kann die Verwendung schöllkrauthaltiger Präparate nicht mehr empfohlen werden.

Wissenswertes über Schöllkraut

In den vergangenen Jahrhunderten war das Schöllkraut eine mehr oder weniger bedeutsame Pflanze. Der Legende nach, wurde der Maler Albrecht Dürer, der an Malaria erkrankte, mit Schöllkraut geheilt. Zum Dank verewigte er die Pflanze auf eines seiner berühmten Gemälde.

In der Regel wurde das Kraut bei Gallenleiden und Magen- Darm- Problemen empfohlen. Seit dem Jahr 2008 allerdings sind Fertigarzneimittel, die Schöllkraut beinhalten eingeschränkt worden. Nach der Berechnung als Chelidonin dürfen Gesamtalkaloide maximal 2,5 Milligramm enthalten.

Ob Schöllkraut bei Malaria hilfreich ist, ist heutzutage mehr als fraglich. Fakt ist jedoch, dass die Pflanze schon seit mehr als 2.000 Jahren einen hohen Stellenwert in der Medizin einnimmt. Heute und auch in vergangenen Zeiten wächst die Pflanze auf lehmig- sandigen und nährstoffreichen Böden. Das Kraut entwickelt Samen, die durch Ameisen verbreitet werden, deswegen ist Schöllkraut auch an unzugänglichen Stellen wie zum Beispiel Mauerritzen zu finden.

Bei dem Schöllkraut als Droge handelt es sich um die während der Blütezeit gesammelten und getrockneten oberirdischen Pflanzenteile, hierzu gehören Stängel, Blätter, Blüten und eventuell auch die Früchte samt der Samen.

Die Pflanze ist vor allen Dingen wegen dem gelblichen- orangen Milchsaft bekannt. Hiermit sollen sich Warzen und andere Hauterkrankungen erfolgreich bekämpfen lassen. Da Schöllkraut jedoch über zwanzig unterschiedliche giftige Alkaloide verfügt, wird in der Zwischenzeit von einer inneren Anwendung strikt abgeraten.

Gegen Warzen wird der gelbe Milchsaft empfohlen. Dieser besitzt eine antivirale und fungizide Wirkung und soll helfen, etwaige Krankheitserreger in und auf der Haut abzutöten. Zudem verfügt der Saft über wundheilende und entzündungshemmende Eigenschaften, wobei gleichzeitig die Selbstheilung der Zellen angeregt wird.

Für eine direkte Anwendung, mehrere Stängel durchbrechen und den austretenden Saft sofort auf die Haut auftragen. Hierbei bitte mit Einmal- Handschuhen arbeiten, da der Saft unter Umständen zu Hautreizungen führen kann.

Der Pflanzensaft ist allerdings nur in den Sommermonaten direkt verfügbar. Wer die Wirkung des Saftes das gesamte Jahr über nutzen möchte, sollte eine Tinktur ansetzen. Hierzu die ganzen Stiele, samt der Blüten und Wurzeln benutzen. In den Wurzeln ist die Konzentration der Alkaloide höher als im Stängel. In manchen Fällen kann der Saft jedoch Allergien oder Hautreizungen auslösen, deshalb sollte der Anwender im Vorfeld testen, ober er den Saft verträgt.

Die Tinktur selber wird mit dem gleichen Verfahren genutzt, wie ein frischer Pflanzensaft. Da die Konzentration jedoch nicht ganz so stark ist wie bei der frischen Pflanzenmilch, kann die Anwendungsdauer variieren.

Da Schöllkraut über eine entkrampfende Wirkung verfügt, wird es gern bei Menstruationsschmerzen, Magenschmerzen, Asthma, Reiz- oder Krampfhusten empfohlen. Wird hierbei ein Presssaft verwendet, ist auf die genaue Menge von maximal 20 Tropfen zu achten, da ansonsten Leberschäden zu erwarten sind.

Schon in der Antike wurden Hühneraugen, als auch Warzen mit dem Saft der Pflanze behandelt. Der griechische Philosoph und Naturforscher Theophrast erwähnt in seinen Schriften eine Pflanze mit dem Namen Chelidonion, was vom griechischen Cheldion abgeleitet ist und so viel wie Schwalbe bedeutet. Daher rührt aller Wahrscheinlichkeit nach auch ein weiteres Synonym des Schöllkrauts nämlich die Schwalbenwurz.

Das Schöllkraut gehört eher nicht zur ursprünglichen Flora in nordeuropäischen Gebieten, ist jedoch heute ein weitverbreiteter Kulturbegleiter in ganz Europa. In höheren Lagen gedeiht die Pflanze bis zu einer Höhe von circa 900 Metern.