Ginkgo

Der 30 m bis 40 m hoch wachsende Ginkgobaum ist ein sommergrüner Laubbaum. Er gehört entwicklungsgeschichtlich zu den ältesten Pflanzenarten der Erde und stellt das Bindeglied zwischen Farnen und Nadelhölzern dar. Die Blätter färben sich im Herbst goldgelb. Der ursprünglich in China, Korea und Japan beheimatete Baum wird zunehmend auch in Europa angepflanzt, da er gegen schädliche Umwelteinflüsse sehr resistent zu sein scheint. Der Ginkgo ist zweihäusig, d.h. es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Der Name biloba = zweilappig weist auf die typische Blätterform hin. Medizinisch verwendet werden Spezialextrakte aus den Blättern, in der Traditionellen Chinesischen Medizin auch die Samenkerne.

Steckbrief Ginkgo

Pflanze:Ginkgo biloba L.
Familie:Ginkgoaceae
Herkunft:Ursprünglich stammt der Ginkgobaum aus China und Japan. Seit ca. 1730 wurde Ginkgo in Europa auch als Parkbaum angepflanzt. Hauptexportländer sind Frankreich, China, Japan und Korea.
Synonyme:Elefantenohrbaum, Entenfußbaum, Fächerblattbaum, Ginkgobaum, Mädchenhaarbaum, Tempelbaum, Japanischer Tempelbaum

Anwendung:

  • Hirnleistungsstörungen, Periphere arterielle Durchblutungsstörungen
  • Ohrensausen, Schwindel, Macular Degeneration
  • Höhenkrankheit, Glaukom

In klinischen Studien wurden bisher nur für Ginkgoextrakte, die aus den Blättern mit einem Aceton-Wasser-Gemisch (DEV 35-67:1) gewonnen werden, ein positiver Effekt nachgewiesen. Am besten untersucht sind die Extrakte mit der Bezeichnung Egb 761 und LI1370. Diese Extrakte werden eingestellt auf etwa 25% Flavonoidglykoside (Flavonole und Biflavone) und etwa 6% Terpenlactone (Ginkgolide A,B,C und Bilobalid), wobei der Gehalt an Ginkgolsäuren, die stark hautreizend wirken und zu Magenunverträglichkeiten führen können, unter 5 ppm liegen soll.

Experimentell nachgewiesen wurden folgende Wirkungen:

  • Steigerung der Toleranz insbesondere des Hirngewebes gegenüber Sauerstoffmangel
  • Förderung der Gehirndurchblutung Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes
  • PAF-Hemmung (Plättchenaggregationsfaktoren)
  • Beeinflussung zentraler Neurotransmitter
  • Inaktivierung schädlicher Radikale

Zubereitungen aus diesen Extrakten werden zur symptomatischen Behandlung von hirnorganisch bedingten Leistungsstörungen (dementiellen Syndromen) mit den Leitsymptomen Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, depressive Verstimmung, Schwindel, Ohrensausen und Kopfschmerzen im Rahmen eines Therapiekonzeptes eingesetzt. Weiterhin werden sie zur unterstützenden Behandlung von peripheren arteriellen Durchblutungsstörungen, bei Schwindel und Tinnitus verwendet.

Bevor mit einer Behandlung begonnen wird, sollte ärztlich abgeklärt werden, ob die Störungen nicht einer spezifisch zu behandelnden Grunderkrankung zuzuordnen sind! (s. Hinweis)

Derzeit laufen auch Untersuchungen, die eine Wirksamkeit zur Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit gesunder, jüngerer Menschen, bei dem prämenstruellen Syndrom (PMS), bei altersbedingte Degeneration der Macula, bei der Höhenkrankheit, die Verbesserung der Ansprechrate einer Chemotherapie des Pankreaskarzinoms sowie eine günstige Beeinflussung diabetischer Folgekrankheiten prüfen sollen. Die ersten Ergebnisse sind jedoch noch zu vorläufig, um daraus eine Therapieempfehlung ableiten zu können. Beim Zuckerkranken ist zudem noch nicht geklärt, inwieweit Ginkgoextrakte zu einer Verschlechterung der Krankheit führen kann, da der Einsatz möglicherweise die Insulinresistenz verstärkt.

Ginkgonüsse (= Samenkern der Ginkgofrüchte):

Die gerösteten Samenkerne, wobei zuvor die fleischige Außenschicht der Früchte entfernt wurde, werden vor allem in Ostasien als Delikatesse, in der Traditionellen Chinesischen Medizin auch als Heilmittel, geschätzt. Die Außenschicht der Früchte enthalten stark hautreizend wirkenden Ginkgolsäuren und Ginkgole sowie 4`-Methoxypyridoxin, das zu Vergiftungserscheinungen führen kann.

Anwendungsdauer:

Bei Hirnleistungsstörungen ist eine Behandlung von min. 8 Wochen erforderlich. Nach einer Behandlungsdauer von 3 Monaten sollte überprüft werden, ob die Therapie noch weitergeführt werden soll. Eine Besserung arterieller Durchblutungsstörungen ist frühestens nach 6 Wochen zu erwarten (Verlängerung der Gehstrecke). Bei Durchblutungsstörungen des Innenohres, z.B. Schwindel, Tinnitus, bringt eine Behandlung von mehr als 6 bis 8 Wochen keine Vorteile.

Dosierung:

Zur Verwendung kommen nur Extrakte aus den Ginkgoblättern, die nach speziellen Herstellungsverfahren hergestellt werden, wobei eine Anreicherung der Inhaltsstoffe, die für das wirksame Prinzip angesehen werden erfolgt und Substanzen, die Nebenwirkungen auslösen können, entfernt werden (s. Anwendung).

Zur Behandlung hirnorganischer Leistungsstörungen:
120 bis 240 mg Trockenextrakt täglich aufgeteilt auf 2 oder 3 Einzeldosen.

Zur Behandlung arterieller Durchblutungsstörungen oder Durchblutungsstörungen des Innenohrs:
120 bis 160 mg Trockenextrakt täglich aufgeteilt auf 2 oder 3 Einzeldosen.

Zubereitungen:

Ginkgo biloba Extrakte sind in Tropfen, Dragees und Filmtabletten in vielen Präparaten enthalten, die allgemein zur Steigerung der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit und gegen altersbedingte Beschwerden (Geriatrika) helfen sollen. Positive Effekte sind bisher nur für Präparate bewiesen, die einen Extrakt enthalten, der mit Aceton-Wasser-Gemischen nach einem speziellen Verfahren hergestellt wurde. Für die Verwendung als Tee oder für andere Zubereitungen sind zur Beurteilung der Wirksamkeit und Unbedenklichkeit keine Informationen vorhanden.

Die parenteral anzuwendenden Zubereitungsformen wurden aus dem Handel zurückgerufen, da es z.T. zu schweren allergischen Unverträglichkeitsreaktionen gekommen ist.

Ginkgo findet sich auch als Bestandteil verschiedener Haarshampoos und anderer Kosmetika.

Hinweise:

Vereinzelt kann es kann es zu Unverträglichkeitsreaktionen im Verdauungstrakt, wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und/oder Durchfällen kommen. Selten können Fieber und/oder Kopfschmerzen auftreten.

Nicht anwenden bei Überempfindlichkeit gegenüber Ginkgo!
Gingko steht im Verdacht, schwerwiegende allergisch bedingte Hautreaktionen, wie Stevens-Johnson-Syndrom, epidermale Nekrolyse, Angioödem und Erythema exsudativum multiforme, auslösen zu können. Werden Hautreaktionen, wie z.B. Schwellungen im Gesicht, Hautausschläge oder blasige Ausschläge auf den Schleimhäuten, u.U. begleitet von Fieber beobachtet, ist das Präparat sofort abzusetzen und ein Arzt aufzusuchen.

Nicht während Schwangerschaft und Stillzeit oder bei Kindern unter 12 Jahren anwenden! Da keine Daten bei Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit vorliegen, sollte Ginkgo nicht in Schwangerschaft und Stillzeit angewandt werden.

Nicht ohne ärztlichen Rat anwenden bei Personen, die Arzneimittel einnehmen, die die Blutgerinnung hemmen! (z.B. Acetylsalicylsäure, Marcumar, Clopidogrel, Pentoxifyllin)

Da auch Ginkgo die Blutgerinnung hemmen kann, ist besondere Vorsicht für die Personen angebracht, die gerinnungshemmende Mittel einnehmen müssen. Dies sollte nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt geschehen.

Es ist auch empfehlenswert, Ginkgopräparate mindestens eine Woche vor geplanten Operationen abzusetzen und den Arzt zu informieren.

Nicht ohne ärztlichen Rat anwenden bei Krampfleiden (Epilepsie) oder wenn Medikamente eingenommen werden, die die Krampfschwelle erniedrigen! (z.B. Antidepressiva)

Möglicherweise kann die Einnahme das Auftreten von Krampfanfällen begünstigen.

Nicht ohne ärztlichen Rat bei Diabetes (Zuckerkrankheit) anwenden!

Ginkgoextrakte können möglicherweise Effekte hervorrufen, die einer Insulinresistenz gleichen. Daher sollten Diabetiker Ginkgopräparate nur unter ärztlicher Kontrolle verwenden.

Bevor mit einer Behandlung begonnen wird, sollte abgeklärt werden, ob die Störungen nicht Grunderkrankungen zuzuordnen sind!

Anwendungsdauer:
Die Behandlung von Hirnleistungsstörungen und arteriellen Durchblutungsstörungen sollte min. 6 bis 8 Wochen betragen. Bei der Behandlung von Durchblutungsstörungen des Innenohrs dagegen bringt eine Anwendungsdauer über 6 bis 8 Wochen hinaus keine Vorteile.