Kräuter und Heilpflanzen anbauen – Heilkräuter selber ziehen

Hier finden Sie unseren Leitfaden zum Kräuteranbau!

kräuter anbauen

Warum Kräuter selbst anpflanzen?

Man kann Kräuter zwar fertig getrocknet, in Sträußen oder in Töpfen kaufen, aber der eigene Anbau macht Spaß, vermittelt einen Bezug zu den Pflanzen und läßt uns die Zusammenhänge der Natur hautnah erleben. Arbeit mit Pflanzen ist mit viel Bewegung an der frischen Luft verbunden. Das ist gesund und schafft einen inneren Ausgleich. Die meisten Kräuter sind leicht zu kultivieren. Deshalb eignen sie sich auch für Gärtnerneulinge.

Egal, wo sie angebaut werden können sie gleich verschiedene Funktionen auf einmal erfüllen:

  • Sie können als Zutaten in der Küche Abwechslung verschaffen, indem man mit ihrer Hilfe köstliche und gesunde Gerichte zaubert
  • Sie stehen zur Besserung des Wohlbefindens und leichter Befindlichkeitsstörungen ständig frisch und wirkstoffreich zur Verfügung
  • Sie haben zwar kaum spektakuläre Riesenblüten, schmücken aber mit unterschiedlichsten Blattformen und -farben sowie einer oft üppigen Fülle kleiner zarter Blüten in verschiedensten Farbtönen. Darüber hinaus verzaubern viele Pflanzen ihre Umgebung mit dem Duft ihrer Blüten und Blätter.
  • Kräuter sind wertvolle Futterpflanzen für eine Vielzahl von Insekten, darunter auch solche, die oder deren Larven so ungeliebten Gästen wie Blattläusen zu Leibe rücken. Als ein Beispiel sei hier nur die Schwebfliege genannt, die erwachsen zwar nur Nektar schlürft, deren Nachkommen im Larvenstadium aber äußerst gefräßige Blattlausjäger sind.Einige Gewürzpflanzen tragen mit ihren Wurzelausscheidungen zu einer verbesserten Bodengare bei. Somit können sie auf unterschiedlichste Weise dem Gärtner nützliche Helfer sein.
  • Da Kräuter relativ unkompliziert sind und in der Regel schnell wachsen und blühen, kann auch ein noch unerfahrener “Neugärtner” bald den Erfolg seiner Arbeit sehen und ernten.
  • Es ist kein riesiges Grundstück nötig, um sich die Freude einer lebende Hausapotheke und des grünen Gewürzregals zu verschaffen. In einer sonnigen Gartenecke, auf einer Terasse oder einem Balkon kann ein kleines Paradies entstehen. Selbst eine relativ sonnige Fensterbank im Freien kann Raum für wenige Lieblingskräuter bieten

Natürlich sind auch beim Anbau wenig anspruchsvoller Pflanzen einige gärtnerische Grundregeln zu beachten, ohne die sich auch im Kräuterbeet nichts tut. Sie sollen im folgenden kurz erläutert werden.

Der Standort: Sonne ist gefragt und ein guter Boden

Zunächst muß man sich als angehender Kräutergärtner mit dem zukünftigen Standort auseinandersetzen. Er muß den Pflanzen alles bieten, was sie zum Leben brauchen.

Besonders wichtig sind die Lichtverhältnisse. Die meisten bekannten Kräuterarten sind “Sonnenkinder”. Sie bilden an einem sonnigen Standort besonders viele ihrer wertvollen Inhaltsstoffe und wachsen zu kräftigen, widerstandsfähigen Individuen heran.

Wer eine(n) mindestens halbtags sonnige Gartenecke, Balkon oder Fensterbank zu bieten hat, erfüllt bereits die wichtigste Anforderung für den erfolgreichen Kräuteranbau.

Nicht weniger entscheidend für ein gesundes Pflanzenleben ist der Boden bzw. das Substrat.

Obwohl die verschiedensten Pflanzenarten ursprünglich auf sehr unterschiedlichen Bodenarten vorkommen,(z.B. Thymian liebt trockene sandige magere Standorte, Minze mag feuchte, humus- und nährstoffreiche Böden), ist es nicht notwendig, den Platz für den Thymian mit einer ½ Meter dicken Schicht Sand aufzufüllen.
Ein einheitlicher Boden in gutem Zustand gibt Raum für viele Pflanzenarten und ist leicht zu bewirtschaften.

Ein gesunder Boden hat folgende Eigenschaften:

  • hoher Humusgehalt – erkennbar an einer dunkelbraunen bis schwarzen Färbung
  • pH-Wert zwischen 6 und 6,5
  • gute Krümelstruktur
  • Der Boden ist gut durchlässig und bis in die Tiefe (mind. 90cm) ausreichend gelockert

Wer einen Garten bewirtschaftet, sollte hin und wieder eine Bodenuntersuchung machen lassen, um einen Überblick über die vorhandenen Nährstoffmengen zu bekommen. Außerdem empfiehlt es sich einen Kompost anzulegen, der immer wieder hervorragendes Ausgangsmaterial zur Bodenverbesserung bietet.

Für Balkongärtner kann zum Zwecke der Kompostgewinnung eine Wurmkiste gute Dienste leisten.

Als Substrat kann hier natürlich auch eine überall erhältliche Pflanzerde auf Torfbasis verwendet werden. Ich versuche das aber aus Umweltschutzgründen zu vermeiden.
Eine, wie ich finde hervorragende Alternative zu Torf , ist Kokosfasersubstrat.
Auf meinem Balkon hat sich eine Mischung von Wurmkompost und Kokosfasern ca. 1 : 1,5 bis 1: 2 als sehr gutes, stabiles Pflanzsubstrat bewährt.

Unter dem Stichwort “Düngung” erkläre ich kurz die wichtigsten Grundsätze, und wie sie der Hobbygärtner umsetzen kann.

Ein Thema, daß untrennbar mit den Bereichen Boden und Substrat verbunden ist, ist die Frage der Düngung.

Düngung – die wichtigsten Grundsätze

Das Kapitel “Düngung” ist jenes, in welchem das Prinzip “weniger ist mehr” dem Motto “viel hilft viel” unbedingt vorgezogen werden sollte. Gerade Hobbygärtner scheinen häufig die Befürchtung zu haben, daß ihre Pflanzen verhungern könnten. Das beweist eine Untersuchung des Untersuchungszentrums Münster – LUFA, bei der im Zeitraum von 1990 bis 1999 22.000 zur Untersuchung eingesandte Gartenböden nach dem Landwirtschaftlichen Versorgungsstufenschema in Gehaltsklassen eingeteilt wurden. Die Ergebnisse wurden dann verglichen mit 483.700 Ackerböden.

Dabei wurde festgestellt, daß die meisten Gartenböden 3- bis 10- fach höher mit Nährstoffen versorgt waren als die Ackerböden. Das bedeutet, daß die meisten Gartenböden hoffnungslos überversorgt sind und der Gärtner genau genommen nicht einmal mehr Kompost ausbringen dürfte. Die Gründe dafür dürften darin liegen, daß viele Hobbygärtner weder wissen, was tatsächlich in ihrem Boden vorhanden ist, noch eine Vorstellung von der Dimension der Nährstoffgehalten ausgebrachter organischer und mineralischer Dünger (auch Kompost ist ein Dünger!) haben.

Nährstoffkreislauf im Wald:
Aus Blättern wachsen Bäume

Damit bin ich schon beim ersten wichtigen Grundsatz der Düngung angelangt. Der lautet nämlich: Eine Überversorgung mit Nährstoffen ist genauso wie eine Unterversorgung zu vermeiden.

Warum?

Sind gärtnerisch genutzte Böden unterversorgt, – d.h. wird dem Boden nicht zurückgegeben, was man ihm entzieht, dann verwittert er schneller, die Tonminerale werden zerstört und der Boden wird auf lange Sicht irreversibel unfruchtbar.
Eine Überversorgung mit Nährstoffen kann zum einen die Pflanzen schädigen, – zum anderen werden diese Nährstoffe aus dem Boden ausgewaschen und belasten Oberflächengewässer und Grundwasser.

Das erste, was sie also tun sollten um Fehler bei der Düngung zu vermeiden ist, ihren Boden auf die Nährstoffgehalte untersuchen zu lassen. Für Kräuter reicht es in der Regel, die oberste Bodenschicht von 0 bis 30 cm zu analysieren. Die Analysen lassen sie am besten von einem wissenschaftlichen Labor durchführen. Es gibt zwar im Handel verschiedene Tests zu kaufen, die sind allerdings sehr ungenau.

Um die Proben zu gewinnen machen sie mit einem Spaten an 12 – 15 gut verteilten Stellen auf ihrer Gartenfläche einen 30 cm tiefen Einstich. Die so gewonnenen Bodenproben mischen sie gut miteinander und füllen etwa ein bis zwei Liter davon in eine Plastiktüte. Diese können sie dann per Post an das Labor verschicken.

Leguminosen als Gründüngung:
Bodenpflege und Stickstoffdüngung

Bodenuntersuchungen werden u.a. von den Landwirtschaflichen Untersuchungs- und Forschungsanstalten (LUFA) des jeweiligen Bundeslandes durchgeführt. Adressen finden sie hier. Erkundigen sie sich vorher über den Preis. Bei der Untersuchung auf die Nährstoffe Phosphat, Kali, Magnesium und auf den pH- Wert dürfte der Gesamtpreis zwischen 8 und 15 Euro liegen.

Hier an dieser Stelle eine genaue Düngeanleitung zu geben ist unmöglich, weil die Art der Düngung genau auf die Pflanzenarten, die Bodenart und den Bodenzustand abgestimmt sein müssen. Allgemein kann ich empfehlen, eher auf langsam wirkende organische Dünger zurückzugreifen, als auf schnell verfügbare künstlich erzeugte Mineraldünger.

Organische Dünger tragen zur Erhöhung des Humusgehaltes bei und ernähren das Bodenleben, welches wiederum die enthaltenen Nährstoffe für die Pflanzen verfügbar macht. Das Mittel der Wahl wird bei einem Hobbygärtner meist der Kompost sein, weil er die Möglichkeit zur Kreislaufwirtschaft bietet und kostenlos selbst hergestellt werden kann. In der Regel enthält er die Hauptnährstoffe Phosphat, Kalium und Magnesium sowie Spurennährstoffe in ausreichendem Maß. Stickstoff ist hingegen im Kompost aus pflanzlichen Abfällen nur sehr wenig vorhanden.

Kühe als Düngerproduzenten:
Kuhfladen sind wertvoll

Wenn eine Gründüngung mit Leguminosen eingesät wird kann über die Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft im Boden angereichert werden. Eine weitere Möglichkeit zur Düngung mit Stickstoff ist kompostierter Tiermist. Auch organische Handelsdünger können verwendet werden.

Ich persönlich benutze “Compo Guano”, einen Dünger, der zu 70 % aus Seevogelexkrementen besteht und mit kalireichem Gesteinsmehl angereichert ist. Er enthält 11% Gesamtstickstoff, 6% Gesamtphosphat, 4% Kali und 3% Magnesium.( Die Angaben sind natürlich Gewichtsprozent – d.h. 100g enthalten z.B. 11g Gesamtstickstoff.)

Die Angabe “Gesamt-” bezieht sich auf, den wasserlöslichen und den wasserunlöslichen Anteil. Das bedeutet, daß nicht der gesamte Nährstoffanteil sofort für die Pflanze zur Verfügung steht. Die Nährstoffe werden nach und nach von Mikroorganismen freigesetzt.

Soweit einige grundlegende Anhaltspunkte.

Wasser ist Leben – die Bewässerung

Sind die Pflanzen an Ort und Stelle und ist die Nährstoffversorgung gesichert, dann ist auch auf eine ausreichende Wasserversorgung zu achten. Das ist für Balkongärtner umso wichtiger, da ihre Pflanzgefäße bei starker Hitze, Wind und Sonnenstrahlung besonders schnell austrocknen.

Empfehlenswert sind hier Pflanzgefäße mit eingebautem Wassertank. Es gibt sie fertig in Gartencentern und Baumärkten zu kaufen, man kann sie aber auch selbst bauen. Eine leicht nachvollziehbare Bauanleitung bietet die “Hobbythek” in ihrem Buch “Garten und Balkon”.

Ansonsten kommt man um regelmäßiges Gießen nicht herum. An heißen Tagen ist das unter Umständen 2 x täglich nötig.

Auch für Gärtner mit eigener Scholle ist die Gießkanne zunächst die einfachste und preiswerteste Lösung. Aber bitte gießen Sie nicht mit der Brause von oben auf die Pflanzen. Das ist Wasserverschwendung und begünstigt Pilzkrankheiten. Das ist auch ein entscheidender Nachteil der vielgenutzten “Überkopf – Regner”.

Am wirkungsvollsten ist das Gießen direkt an die Pflanzenwurzeln. Wer es leid ist schwere Gießkannen zu schleppen, der findet in der Tröpfchenbewässerung eine echte Alternative.

Sie ist zwar in der Anschaffung und Installation etwas aufwendiger, spart aber, einmal eingebaut, Zeit, Schweiß und Wasser.

Auch kann im Sommerurlaub eine Zeitschaltuhr am Wasserhahn dem “freundlichen Nachbarn, der den Garten versorgt” eine Menge Arbeit ersparen.

Kräuter-Anzucht und Kräuter-Aussaat im Garten oder im Topf

Möchte man Pflanzen anbauen, steht man vor der Entscheidung: ” Selbst aussäen oder Pflanzen kaufen?”

Die eigene Jungpflanzenanzucht ist in jedem Fall eine spannende Angelegenheit.
Dazu braucht man mindestens einen sehr hellen Platz auf dem Fensterbrett oder, besser noch, ein Gewächshaus, denn mit der Pflanzenanzucht wird u.U. schon Ende Februar begonnen.
Es ist wichtig, daß die Pflanzen nicht zu warm stehen und es gilt, je wärmer der Pflanzenkindergarten, umso mehr Licht muß vorhanden sein. Weil um diese Jahreszeit die Strahlungsintensität der Sonne noch etwas dürftig ist, sind Temperaturen zwischen 10 und 15°C für einige Pflanzenarten bis zu 18°C anzustreben.

In der Regel werden die Samen breitwürfig in Schalen nicht zu dicht ausgesät, Lichtkeimer werden leicht angedrückt, Dunkelkeimer mit etwas Erde bedeckt. Große Samen werden einzeln in passende Töpfchen gesteckt.

Gegossen werden feine Aussaaten am besten mit einer Blumendusche. Das bringt Erde und Samen nicht durcheinander und die gesamte Oberfläche kann gleichmäßig benetzt werden. Die Erde darf nicht austrocknen. Um ein leicht feuchtes, gleichmäßig warmes Kleinklima zu schaffen, ist es sinnvoll die Schalen mit einer Folie oder einem durchsichtigen Plastikdeckel abzudecken.

Wenn das zweite Blattpaar zu wachsen beginnt, werden die Pflänzchen pikiert . Dabei ist es wichtig, daß die zarten Würzelchen nicht zerrissen oder zerquetscht werden, weil die entstehenden großflächigen Wunden sonst Eintrittspforte für Krankheitserreger werden können.
Sind die Wurzeln sehr lang, können sie mit einer scharfen Schere etwas gekürzt werden. Das fördert ihre Verzweigung.

Als Aussaaterde benutze ich am liebsten reines ungedüngtes Kokosfasersubstrat. Es gibt natürlich auch Nährstoffarme Aussaaterde zu kaufen. Bei der Aussaat wird noch nicht gedüngt, weil das Pilzen und Bakterien Vorschub leistet. Die Pflanzen können mit den angebotenen Nährstoffen in dieser Zeit noch nichts anfangen, weil sie alles nötige noch weitgehend aus den Samenvorräten beziehen.

Wem die eigene Anzucht zu aufwendig ist, oder wer keinen geeigneten Platz dafür hat, der kann ab Mai auch fertig vorgezogene Kräuterpflanzen kaufen. Es gibt auch Pflanzenarten, bei denen die Vermehrung durch Aussaat nicht ohne weiteres möglich ist. Dazu zählen z.B. sortenechte Pfefferminze oder französischer Estragon .

Beim Pflanzenkauf sollten sie unbedingt nach qualitativ hochwertigen Pflanzen suchen, auch wenn deren Preis etwas höher liegt, als bei eventuellen Billigangeboten aus dem Supermarkt. Schließlich möchten sie möglichst jahrelang Freude an ihren Schützlingen haben und sie nicht nach einigen Monaten dem Kompost übergeben müssen.

Gute Qualität erkennt man im Wesentlichen daran, daß die Blätter dem Pflanzentyp entsprechend grün und gesund aussehen und kräftige Jungtriebe bzw. Knospen zu sehen sind. Wenn die Blätter bei üppig grüner Farbe weich und schwammig sind, dann ist das ein Zeichen, daß die Pflanzen im Gewächshaus mit viel Stickstoff schnell aufgezogen wurden. Lassen sie lieber die Finger davon, solche Pflanzen sind sehr anfällig für Schadinsekten, Pilze und Bakterien.

Sie sollten es sich auch nicht nehmen lassen, die Pflanze, die sie kaufen möchten einmal vorsichtig auszutopfen. Legen sie dazu die linke Hand flach auf die Erde und sichern sie die Pflanze, während sie mit der rechten Hand den Topfboden vorsichtig drücken, bis ihnen der gesamte Topfinhalt entgegen kommt.

Ist der Ballen gut mit weißen Wurzeln durchzogen, haben sie es mit einem gesunden Exemplar zu tun. Sind die Wurzeln hingegen dunkelbraun, oder haben sie gar nur lose Erde in der Hand, ist es keine Qualitätsware, denn entweder sind die Wurzeln angefault oder die Pflanzen sind nicht genügend bewurzelt.

Es ist auch möglich Kräuter direkt an Ort und Stelle auszusäen. Diese Methode eignet sich besonders für einjährige Pflanzenarten. Achten sie dabei darauf, ob die Samen zum Keimen Licht oder Dunkelheit brauchen. Meistens steht das auf den Samentütchen drauf.

Lichtkeimer sollten sie nur leicht im Boden andrücken und nicht bedecken. Um die Saat vor Austrocknung zu schützen, können Lichtkeimer bis zum Auflaufen mit einem Stück Vlies (gibt es in Gartencentern zu kaufen) leicht bedeckt werden. Arten, die zur Keimung kein Licht brauchen oder vertragen, werden in etwa 3cm bis 5 cm tiefe Furchen gesät, mit einer leichten Brause angegossen und mit Erde bedeckt.

Ein paar Worte zum Thema “Pflanzenschutz”

An dieser Stelle möchte ich kurz einiges Grundsätzliches zu diesem Thema sagen.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Die sogenannte “chemische Keule” hat meiner Meinung nach in einem Hobbygarten nichts zu suchen! Dementsprechend werden sie hier auch keine Tips zur Anwendung solcher Mittel finden.

Vielmehr möchte ich in meinen Lesern das Interesse an natürlichen Zusammenhängen wecken, denn wer die natürlichen Gesetzmäßigkeiten versteht kann sie sich zu nutze machen. Als Gartenbauingenieurin weiß ich, daß großflächige Monokulturen ohne chemische Pflanzenschutzmittel zum Scheitern verurteilt sind.

Bei einem Hobbygarten sieht die Lage allerdings ganz anders aus. Hier sind auf engstem Raum viele Pflanzenarten vereint und der Gärtner ist nicht existentiell auf das hundertprozentige Gelingen einer bestimmten Kultur zu einem bestimmten Zeitpunkt angewiesen.

Und schließlich – Sie gärtnern doch wohl zum Spaß, oder? Nun dann nutzen sie die einmalige Chance und errichten sie ein kleines Biotop mit einer Pflanzengesellschaft, die an ihrem Standort gedeiht und die Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten bieten kann.

Setzen Sie auf robuste Sorten und kräftige, hochwertige Pflanzen. Wie schon in der Einführung erwähnt sind Kräuter in der Regel nicht nur sehr widerstandsfähig gegen Krankheiten, sondern sie können in Mischkulturen positiv auf andere Pflanzen, z.B. Gemüse, einwirken.

Und wenn die empfindliche Edelrosensorte bei ihnen partout nicht gedeihen will, weil ihr Mehl- und Sternrußtau zu schaffen machen, dann entscheiden sie sich lieber für eine robustere Artgenossin, als ständig mit der Giftspritze in ihrem Paradies herumzufuhrwerken. Auch die berühmte deutsche Ordnungsliebe ist in einem Garten oft fehl am Platze. Das heißt nicht, daß sie ihren Garten in einen Gerümpelhaufen verwandeln sollen, aber lassen sie doch z.B. den Reisighaufen vom letzen Heckenschnitt einfach mal in einer Gartenecke liegen, anstatt ihn zu verbrennen. Der Igel, der darin vielleicht sein Winterquartier aufschlägt, wird es ihnen danken, indem er im nächsten Jahr fleißig auf die Jagd nach lästigen Nacktschnecken geht.

Wenn Sie sich ein bißchen entspannen und die Natur beobachten, anstatt gegen sie zu kämpfen, dann sind sie mehr und mehr in der Lage die Bildung eines natürlichen Gleichgewichtes zu unterstützen. Und sie können es mir glauben, den Kampf gegen die Natur werden sie in jedem Fall verlieren, auch wenn es zunächst nicht so aussehen mag. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.

Natürlich muß ich an dieser Stelle auch sagen, daß den Naturgärtner durchaus einige Rückschläge erwarten können. besonders, wenn sie auf einer Fläche anbauen, die vorher konventionell bearbeitet wurde.

Ein biologisches Gleichgewicht stellt sich nicht von heute auf morgen ein. Solche Systeme brauchen Zeit zum Wachsen. Verzagen sie also nicht, wenn der Salat doch einmal binnen einer Nacht von Nacktschnecken gemeuchelt wird, oder die Kapuzienerkresse Heerscharen von Blattläusen zum Opfer fällt.

Geduld zahlt sich in jedem Fall aus.

Es gibt auch schonende, umweltfreundliche Verfahren, um hartnäckigen Plagegeistern zu Leibe zu rücken. Hier bietet die Hobbythek übrigens einige gute Mittel und Methoden an, die durchaus brauchbar und wirksam und für den Hobbygarten völlig ausreichend sind.

Das soll zunächst einmal zum Thema Pflanzenschutz genügen. Auf biologischen Pflanzenschutz gehe ich in der Rubrik Biogarten ausführlicher ein.

“Blaukorn” – gut oder nicht gut ?

Zum Thema “Blaukorn” möchte ich, sozusagen aus aktuellem Anlaß, etwas schreiben. Vor einigen Tagen (24.4.02) schaute ich mir nämlich im MDR – Fernsehen die Sendung “Unser Garten” an. Dort wurde den gärtnernden Zuschauern empfohlen, ihrem Garten mit dem blauen “Gold” auf die Sprünge zu helfen. Ich muß leider sagen, daß ich solche Empfehlungen für nicht mehr ganz zeitgemäß halte und ich möchte Ihnen an dieser Stelle auch erklären warum.

Zur Information, “Blaukorn”, das ist ein rein mineralischer Kunstdünger, der die Nährstoffe Stickstoff, Phosphat und Kali (NPK) im Verhältnis 12% : 12% : 17%. Die Nährstoffe sind sofort verfügbar. “Blaukorn” enthält keinerlei organisches Material, – das bedeutet kein Ausgangsmaterial zur Humusbildung und keine Nahrung für`s Bodenleben.

Jahrzehnte lang war dieser Volldünger auch bei Hobbygärtnern sehr beliebt. Jetzt werden die Folgen sichtbar. Wie sich durch Bodenuntersuchungen immer wieder herausstellt, sind Gartenböden nämlich mit den Nährstoffen Phosphat und Kali nur allzu oft völlig überversorgt.

Die Wurmkiste:
Einfach Kompost selbst produzieren

Was den Stickstoff angeht, so geschieht hier bei Überversorgung keine Anreicherung, sondern was nicht von Pflanzen aufgenommen wird, wird schlichtweg (als Nitrat) ins Grundwasser ausgewaschen. Schon allein der drohenden Nitratauswaschung wegen darf also kein Düngemittel einfach blindlings ausgebracht werden. Das ist der eine Teil des Problems.

Der andere, sehr nachhaltig wirksame Faktor ist der, daß das Bodenleben und die Bodenstruktur durch die fehlenden organischen Anteile in rein mineralischen Düngern extrem leiden.

Ein gesundes Bodenleben und ein ausreichender Humusanteil sind jedoch die grundvorraussetzung für einen leistungsfähigen Boden und somit nachhaltige Fruchtbarkeit.

Die Bodenlebewesen ernähren sich zum einen von organischem Material und bauen dieses zum anderen zusammen mit mineralischen Bodenbestandteilen zu Ton – Humus – Komplexen um. Dadurch entsteht eine stabiles, speicherfähiges Krümelgefüge. Außerdem werden durch die biologische Aktivität Nährstoffe aus toten organischen Materialien herausgelöst und für die Pflanzen verfügbar gemacht.

Bodenprofile:
Kennen Sie Ihren Gartenboden?

Ein weiterer Effekt ist, daß durch eine gesunde Besiedlung des Bodens mit Mikroorganismen pflanzenschädliche Keime zurückgedrängt werden.
Werden diese so wichtigen Lebewesen nun nicht mehr “gefüttert”, weil der rein mineralische Dünger keine organische Substanz enthält, dann sind sie zum Tode verurteilt und langfristig wird mit ihnen die Bodenfruchtbarkeit dramatisch schwinden

Daß sich eine rein mineralische Düngung negativ auf die Bodenfruchtbarkeit und somit die Erträge auswirkt, das ist mittlerweile wissenschaftlich bewiesen und selbst konventionelle Großproduzenten von z.B. Gemüse setzen seit Neuestem wieder auf eine teilweise organische Düngung.

Für einen Hobbygärtner, dessen Gartenboden durch jahrelange Gaben von mineralischen Volldüngern wie “Blaukorn” mit Kali und Phosphat immer noch mehr als ausreichend versorgt ist, tut sich da jedoch ein Problem auf. Er dürfte nämlich für einige Jahre diese Nährstoffe gar nicht mehr zuführen. Viele organische Dünger wie z.B. Kompost enthalten aber reichlich davon. Und so hat er entweder die Wahl, den Nährstoffgehalt des Bodens noch mehr zu erhöhen, womit er neben der Auswaschungsgefahr auch das Erreichen pflanzenschädlicher Konzentrationen riskiert, oder er muß sich mit der “Wiederbelebung” noch einige Jahre gedulden bis die Gehalte durch Entzug gesunken sind.

Kompost:
Enthält reichlich Nährstoffe

Das klingt vielleicht sehr drastisch, aber es ist die Wahrheit. Ich finde das ist Grund genug, spätestens jetzt, mit der Anwendung von Düngern wie “Blaukorn” Schluß zu machen!

Vertrauen Sie lieber auf den guten alten Kompost. Der kostet Sie nichts extra, steht immer zur Verfügung und er enthält Phosphat, Kali und Spurenelemente i.d.R. ausreichend. Außerdem ist er bereits “von sich aus” belebt und enthält viel organische Substanz. Um Stickstoff zuzuführen sind sie mit Stallmist oder organischen Handelsdüngern wie Guano, Rhizinusschrot oder Maltaflor gut bedient.

Aber achten Sie darauf, daß Sie auch hier nicht über die Stränge schlagen. Natürlich muß auch bei einer organischen Düngung eine Überversorgung vermieden werden. Es ist deshalb ratsam den Boden hin und wieder untersuchen zu lassen. In der Regel werden Sie von den Mitarbeitern der Institutionen die Böden analysieren auch gerne bezogen auf ihren Einzelfall beraten. Nehmen Sie dieses Angebot ruhig wahr.
Mehr zum Thema Bodenproben und Düngung in brisantes und in Bücher.

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