Herbstzeitlose

Giftpflanze! Die in ihren Blüten dem Krokus und in ihren Blättern der Tulpe ähnelnden Herbstzeitlose kommt in Europa und Mittelasien auf feuchten Wiesen vor. Die meist hellviolett oder hellrosa gefärbten Blüten erscheinen im Herbst, die Blätter zusammen mit den Früchten im Frühjahr. Es gibt aber auch weiß blühende Arten, die meist zu Zierzwecken in Gärten gepflanzt werden. Verwechslungen mit dem Bärlauch (Blätter), der Küchenzwiebel (Knolle), dem Lauch (beblätterte Stängel) führten teilweise zu tödlichen Vergiftungen. Da es immer wieder zu Vergiftungen vor allem bei Kindern kommt, wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit empfohlen, giftige Pflanzen nicht in Anlagen wachsen zu lassen, die Kindern leicht zugänglich sind. Medizinisch verwendet werden die Samen, Blüten und Knollen.

Steckbrief: Herbstzeitlose

Pflanze:Colchicum autumnale L.
Familie:Zeitlosengewächse (Colchicaceae)
HerkunftDie Herbstzeitlose ist in Mitteleuropa beheimatet. Vorkommen sind beispielsweise in Deutschland, Irland, England, Polen, Bulgarien, Türkei, ect.
Synonyme:Butterwecken, Hennegift, Herbstblume, Mönchskappen, Spinnblume, Winterhaube

Anwendung:

Alle Pflanzenteile enthalten Alkaloide, wobei das giftige Colchicin den größten Bestandteil ausmacht. Colchicin ist ein Zellgift. Es hemmt die Vermehrung vor allem der Zellen, die sich rasch vermehren, z.B. Leukozyten (= weiße Blutkörperchen). Colchicin hemmt die Beweglichkeit und damit auch das Einströmen von weißen Blutkörperchen in entzündlich verändertes Gewebe. Diese darauf beruhende entzündungshemmende Wirkung wird für die Behandlung des akuten, mit anderen Mittel nicht beherrschbaren Gichtanfall ausgenützt. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist das familiäre Mittelmeerfieber, eine Erbkrankheit.

Die Pflanze selbst und Zubereitungen aus der Herbst-Zeitlose sind verschreibungspflichtig!

Dosierung:

Therapeutisch genutzt werden nur Zubereitungen aus der Herbstzeitlose, die streng nach Vorschrift des Arztes angewendet werden.

Zubereitungen:

Es sind einige wenige Fertigarzneimittel zur Behandlung des akuten Gichtanfalls im Handel. Ferner sind homöopathische Zubereitungen erhältlich.

Hinweise:

Nicht während Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern und Jugendlichen oder bei bestehenden Kinderwunsch anwenden!
Colchicin besitzt eine fruchtschädigende Wirkung, die sich auch von väterlicher Seite aus auswirken kann.

Eine Behandlung mit Colchicin darf nur unter engmaschiger Kontrolle des Arztes erfolgen!
Dies gilt insbesondere für ältere oder geschwächte Patienten oder bei Vorliegen von chronischen Begleiterkrankungen des Herzens, Magen-Darm-Traktes, der Niere oder Leber.

Vergiftungserscheinungen:
Auch nach Aufnahme größerer Mengen der Pflanze treten erste Vergiftungserscheinungen erst nach 3 bis 6 Stunden auf. Diese äußern sich in Brennen und rauem Gefühl in der Mundhöhle sowie Durst und Schluckbeschwerden. Nach 12 bis 14 Stunden folgen Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Koliken, Muskel- und Nervenschmerzen. Es tritt Blut im Urin auf. Der Tod tritt erst nach 2 bis 3 Tagen bei vollem Bewusstsein ein. Als tödlich Menge gelten für Kinder 1 bis 1,5 g, für Erwachsene etwa 5 g Samen.

Da sich die Symptome einer Vergiftung erst relativ spät bemerkbar machen, eine rasche Giftentfernung jedoch lebensrettend sein kann, soll unbedingt auch bei Verdacht umgehend ärztlicher Rat (z.B. Giftnotruf) eingeholt werden.

Die äußerliche Anwendung von konzentrierten Lösungen führt zu Haut- oder Schleimhautreizungen, bei Einbringen ins Auge ist Erblindung möglich.