Nachtkerze

Bereits vor über 500 Jahren, erkannten die Indianer Nordamerikas die Heilkräfte der Nachtkerze. Sie nutzten sie weiterhin als kräftigendes Gemüse, aber auch um Erkrankungen zu lindern oder eben um zu heilen.

Geschichte und Infos zur Nachtkerze

Vom Nordamerikanischen Raum, breitete sich die Nachtkerze relativ schnell aus. Die Ausbreitungsgebiete gehen über Kanada bis New Mexiko. Zu finden ist das Gewächs an Straßenrändern, auf alten brachliegenden Feldern, aber auch auf den Weiten der Prärien. Erst Anfang des 17. Jahrhunderts kam die Nachtkerze nach Europa, wo sie in den Anfängen, als Zierpflanze in Gärten und Parks kultiviert wurde.

Erste Hinweise auf eine heilende Wirkung der Pflanze, lieferten die Algonkin- Indianer. Die ölhaltigen Samen wurden zerstampft und der Brei gegen Hautausschläge genutzt. Zudem verwendeten die Frauen ihn gern, als kosmetisches Produkt, denn bei regelmäßigem Auftragen wurde die Haut wieder straff und jugendlich.

Die Nachtkerze findet sich hier auf trockenen, steinigen Böden. Die zweijährige Pflanze treibt im ersten Jahr lediglich eine Blattrosette, im zweiten Jahr einen bis zu 1 Meter hohen Stängel mit großen, wohlriechenden Blüten, die sich erst gegen Abend öffnen und durch Nachtfalter bestäubt werden. Die Frucht ist eine längliche, zottig behaarte Kapsel.

Es handelt sich um eine krautige Pflanze, die bei optimalen Standortbedingungen eine Wuchshöhe zwischen 150 und 180 Zentimeter erreichen kann. Es gibt jedoch auch verwilderte Pflanzen, die deutlich kleiner sind und nur zwischen 80 und 100 Zentimeter hoch werden.

Die Blätter der Nachtkerze müssen in Grundblätter und Stängelblätter unterschieden werden. Charakteristisch für die unbehaarten Blätter sind die Blattnerven. Der Hauptnerv, der vom Blattgrund bis zum Blattstiel verläuft ist rötlich gefärbt, wohingegen die seitlich verlaufenden Nervenbahnen eher farblos aussehen.

Aus den reifen Samen wird das uns bekannte Nachtkerzen Öl gewonnen.

Steckbrief: Nachtkerze

Pflanze:Oenothera biennis L.
Familie:Nachtkerzengewächse (Oenotheraceae= Onagraceae)
Herkunft:Die Nachtkerze ist in Nordamerika beheimatet. Heute findet man sie allerdings auch in Europa, sowie in Teilen Vorder- und Westasiens.
Synonyme:Eierblume, Gelbe Rapunzel, Gelber Nachtschatten, Häre Kraut, Nahtschlüsselblume, Rapontika, Rübenwurzel, Schinkenkraut, Stolzer Heinrich, Weinblume

In der Botanik bildet die Nachtkerze mit etwa 650 weiteren Arten die Familie der Nachtkerzengewächse. Des Weiteren zählen hierzu auch die Weidenröschen, die Fuchsien, Sommerazaleen oder das Hexenkraut.

Anwendung:

Erst in den letzten Jahren wurde die Nachtkerze auch bei uns als vielseitiges Heilmittel entdeckt. Bis vor wenigen Jahren war nicht bekannt, dass die Samen die wertvolle Gamma- Linolensäure enthalten. Diese wiederum wirkt sich äußerst positiv auf Blutgefäße und die Haut aus.

Die Nachtkerze gilt in der heutigen Zeit als eine sehr wertvolle Heilpflanze, wobei vor allen Dingen die Samen der Pflanze das Interesse auf sich ziehen. In erster Linie liegt dieser Aspekt an dem hohen Anteil der Gamma- Linolensäuren und Linolsäuren. Beide zählen zu den essentiellen Fettsäuren, die der menschliche Körper zwar dringend benötigt, aber nicht selber produzieren kann.

Die Gamma- Linolensäure ist deshalb von medizinischer Bedeutung, da sie bei der Produktion sogenannter Prostglandine behilflich ist. Die Prostglandine sind vor allem zur Bildung und Reparatur von Gewebe, sowie auch für den Fettstoffwechsel verantwortlich. Zudem sind sie in der Lage, die Durchblutung zu verbessern und die Schleimhäute zu schützen.

Die Nachtkerze hilft bei folgenden Beschwerden:

  • Stärkung des Immunsystems
  • Durchfall
  • Hautbeschwerden (juckende oder schuppende Haut
  • Ekzeme
  • Neurodermitis
  • prämenstruelles Syndrom (PMS)
  • Rheuma, rheumatoide Arthritis

Das Hauptanwendungsgebiet der Nachtkerze ist vor allen Dingen die Behandlung unterschiedlicher Hautleiden. Die in den Samen enthaltenen Inhaltsstoffe wirken entzündungshemmend und juckreizlindernd. Zudem wurde eine immunstärkende Wirkung beobachtet, die daher rührt, dass die Gamma- Linolensäure imstande ist, die Produktion von weißen Blutkörperchen zu unterstützen.

Neben anderen Heilkräutern, wie zum Beispiel, Ringelblume, Borretsch oder Beinwell, zählt die Nachtkerze zu einem hervorragenden Kraut gegen Hautleiden und Beschwerden der Haut. Unter anderem wird das Öl der Pflanze bei trockener Haut (Sebostase) genutzt, welches häufig bei Personen mit heller Haut, mangelhafter Schweißbildung oder bei Patienten, die unter Neurodermitis leiden, auftritt.

Das Öl der Nachtkerze enthält unter anderem Fettsäuren, die eine Schweißproduktion anregen und so der Haut Feuchtigkeit und Elastizität verleihen. Auch Kräuterbäder mit dem Öl können eine deutliche Linderung verschaffen.

Das Öl aus den Samen der Nachtkerze ist reich an ungesättigten Fettsäuren (Linolensäuren und Ölsäuren), wobei der Gehalt an den mehrfach ungesättigten Fettsäuren Gamma- Linolensäure (GLA) bis zu 14 % ausmachen kann. GLA wird enzymatisch im Körper aus der essentiellen Fettsäure Linolsäure gebildet und stellt unter anderem eine Vorstufe bestimmter Prostaglandine dar, die entzündungshemmend und immunmodulatorisch wirken. Erkrankungen, wie das atopische Ekzem werden mit einem Mangel an GLA in Verbindung gebracht. Zudem wird die Zusammensetzung von Zellmembranen beeinflusst.

Weitere Anwendungsgebiete:

Die Symptome eines atopischen Ekzems (Neurodermitis), wie Juckreiz, Schuppung oder Rötung können durch die Einnahme von Nachtkerzen Öl verbessert werden. Da die Wirkung nur langsam einsetzt, sollte die Anwendung über mehrere Wochen erfolgen. Zunächst sollte die höher genannte Dosierung eingenommen werden, nach einer Besserung kann die Therapie mit einer niedrigeren Dosierung fortgeführt werden.

Äußerlich werden Salben mit dem Nachtkerzen Öl zur Behandlung bei trockener Haut empfohlen.

Präparate aus Nachtkerzen Öl werden auch als diätetisches Nahrungsergänzungsmittel, oft auch in Verbindung mit Fischölen verwendet und als unterstützende Therapie bei einer Vielzahl von Erkrankungen empfohlen.

Sämtliche Teile der Pflanze sind nutzbar. Innerlich wie äußerlich wird vor allem das Öl aus den Samen genutzt, aber auch Tee aus den Blättern ist denkbar. Insbesondere Hauterkrankungen wie zum Beispiel, Neurodermitis, zudem Diabetes und Arthritis stehen im Mittelpunkt der Anwendungen.

In der Naturheilkunde wird Nachtkerzen Öl bei Menstruations- und Wechseljahresbeschwerden, sowie bei Magen- Darm- Problemen genutzt.

Inhaltsstoffe:

Sobald es dunkel wird, öffnet die Nachtkerze ihre großen Blüten, diese verströmen einen süßlichen Geruch. Diverse Bestandteile der Pflanze finden Verwendung und lassen sich verarbeiten. Verspeist werden können nicht nur die grünen Ingredienzien, sondern auch die Wurzel.

Der wohl wichtigste Inhaltsstoff ist Gamma- Linolensäure, der sich auf die Erneuerung von Zellen auswirken soll. Ebenfalls soll die Säure einen Einfluss auf den Stoffwechsel und den Cholesterinspiegel ausüben. In Form von dem Öl der Nachtkerze lässt sich die Fettsäure gut über die Nahrung aufnehmen.

Weitere Inhaltsstoffe sind:

mehrfach ungesättigten Linolsäuren:74 Prozent
Gamma- Linolensäure8,7 Prozent
ungesättigte Ölsäuren:8 Prozent
gesättigte Fettsäuren:8 Prozent
Aminosäuren
Mineralstoffe
Vitamin E

100 Gramm Nachtkerzen Öl enthalten im Durchschnitt:

Kalorien:900 kcal (3.700 kj)
Fettgehalt:100 g
Cholesterin:0 mg
Natrium:0 mg
Kohlenhydrate:0 g
Ballaststoffe:0 g
Zucker:0 g
Protein:0 g

Bei bestimmten Erkrankungen, wie beispielsweise Asthma oder Heuschnupfen, wird oft eine Anwendung von Nachtkerzen Öl empfohlen. Eine positive Wirkung kann zeitweise auch bei Personen beobachtet werden, die unter Bluthochdruck oder Rheuma leiden. Bei Migräne empfehlen Fachleute ebenfalls eine Nutzung des Öls. Vor allem Frauen im Klimakterium nutzen Nachtkerzen Öl, um ihre körperlichen Beschwerden zu lindern.

Das Öl verfügt über einen hohen Anteil an Linolsäure und etwa 10 Prozent an Gamma- Linolsäure. Beides sind essentielle (lebensnotwendige) Fettsäuren. Die Gamma- Linolensäure hilft dem Organismus leichter Prostaglandine herzustellen, hierbei handelt es sich um hormonähnliche Substanzen, die im Fachjargon als Gewebshormone bekannt sind. Die Bildung der Prostaglandine findet im Gewebe statt. Prostaglandine sind an einer Vielzahl von Stoffwechselprozessen beteiligt und für die Gesundheit des Körpers unerlässlich.

Die hormonähnlichen Stoffe leiten Nervenimpulse weiter, steuern und unterstützen das Immunsystem, aktivieren Killerzellen (T- Lymphozyten), regen den Abbau von Fett an und bewirken zudem auch eine Senkung des Cholesterinspiegels. Weiterhin sind Prostaglandine für den Kalziumtransport zuständig, wirken bei Entzündungen der Haut, beugen Thrombosen vor und halten die Herzgefäße sauber. Bei rheumatischen Erkrankungen schützen sie vor Arterienverkalkung und wirken blutdrucksenkend, sowie zur Regulation des Menstruationszyklusses.

Hinweis:
Personen, die Medikamente zur Blutgerinnungshemmung einnehmen, sollten verstärkt ihre Blutgerinnung bei erhöhten Dosierungen kontrollieren. Zeitweise ist auch eine zusätzliche Einnahme von Vitamin E angezeigt, um mehrfach ungesättigte Fettsäuren vor einer Oxidation zu schützen. Apotheken bieten Kombipräparate, die sowohl Nachtkerzen Öl, als auch Vitamin E enthalten.

Dosierung:

Nachtkerzen Öl eignet sich sowohl zur inneren, als auch zur äußeren Anwendung. Die Dosierung sollte immer den entsprechenden Beschwerden, als auch dem damit verbundenen Schweregrad angepasst werden. Da es sich um ein Naturheilmittel handelt, wirkt es anders, als beispielweise ein synthetisch hergestelltes Mittel. Heilmittel aus der Natur haben nicht nur Auswirkungen auf ein individuelles Symptom, sondern wirken in der Regel auch auf andere Körpervorgänge.

Beim atopischen Ekzem:

4 bis 6 Kapseln (entsprechende 2 bis 3 g Nachtkerzen Öl oder 160 bis 240 mg Gamma- Linolensäure) zweimal täglich nach den Mahlzeiten mit viel Flüssigkeit einnehmen. Kinder von 1 bis 12 Jahren, 2 bis 4 Kapseln täglich.

Zur Nahrungsergänzung:

Dreimal täglich 1 bis 2 Kapseln (entsprechend 0,5 bis 1 g Nachtkerzen Öl) nach den Mahlzeiten mit viel Flüssigkeit einnehmen.

Äußere Anwendung:

Zur Behandlung trockener Haut 2 bis 3 Mal täglich eine entsprechende Creme auftragen.

Nachtkerzen Öl kann täglich, sowohl zur Prävention von Krankheiten, als auch zur Therapie eingesetzt werden. Für therapeutische Zwecke sind drei bis vier Gramm sinnvoll, entspricht rund einem Teelöffel. Zur Prävention genügen ein bis zwei Gramm, entspricht etwa einem halben Teelöffel Nachtkerzen Öl. Zur äußeren Anwendung wenige Tropfen auf der Handfläche zerreiben und auf die betroffenen Hautstellen auftragen.

Zubereitungen:

Nachtkerzen Öl ist in Form von Kapseln zu 0,5 und als Bestandteil von Cremes im Handel erhältlich.

Darreichungsformen:

Die gebräuchlichste Darreichungsform sind Nachtkerzen Öl Kapseln. Daneben bietet der Handel Öl und Balsam zur äußeren Anwendung, Tee, sowie Nachtkerzenauszüge als Inhaltsstoff in kosmetischen Produkten.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Bei der Einnahme von Nachtkerzen Öl kann es in seltenen Fällen zu Übelkeit, Verdauungsstörungen oder Kopfschmerzen kommen. Sehr selten wurden Fälle von Überempfindlichkeitsreaktionen beobachtet. Bei einer Überempfindlichkeit ist von einer Einnahme abzusehen.

Es besteht zudem der Verdacht, dass das Öl Anfälle bei Epileptikern begünstigen könnte. Weiterhin sollten Frauen, die an einer östrogenabhängigen Brustkrebserkrankung leiden, von einer Einnahme absehen.

Wechselwirkungen:

Nachtkerzen Öl ist in der Lage, die Bildung von Prostaglandin E1 zu fördern und zudem hemmt es die Produktion anderer Botenstoffe, die eine Verklumpung der Blutplättchen auslösen (Thromboxane). Dadurch bedingt, kann es zu einer Blutgerinnungsstörung kommen. Patienten, die Gerinnungshemmer einnehmen müssen, dürfen Nachtkerzen Öl nur dann zu sich nehmen, wenn sie zuvor einen Arzt konsultierten oder von einem Gebrauch ganz absehen.

Hinweise:

  • Nachtkerzen Öl nicht ohne Anraten des Arztes während einer Schwangerschaft oder in der Stillzeit einnehmen!
  • Epileptiker sollten Nachtkerzen Öl nur nach Rücksprache mit dem Arzt anwenden!
  • Gelegentlich können Übelkeit, Durchfälle oder Kopfschmerzen auftreten, selten jedoch allergische Reaktionen.

Wechselwirkungen:

Personen, die Medikamente zu sich nehmen, die die Krampfschwelle für epileptische Anfälle erniedrigen (z.B. Phenothiazine), sollten Nachtkerzen Öl nicht zu sich nehmen, da epileptische Anfälle ausgelöst werden könnten.

Wissenswertes über Nachtkerzenöl

Die Nachtkerze (Oenothera biennis) ist eines der wenigen Naturheilmittel, die bei Neurodermitis eine echte Alternative zu synthetisch hergestellten Mitteln darstellt. Zudem entwickelt sie eine positive Wirkung auf die körpereigene Immunabwehr.

In Deutschland ist Nachtkerzen Öl für die Behandlung von Neurodermitis zugelassen. Mit den beinhaltenden wertvollen Fettsäuren, kann sie zur Behandlung von empfindlicher, trockener und alternder Haut helfen.

Hinweis:

Eine offizielle Bewertung über die Wirksamkeit liegt bisher weder von der Kommission E des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte noch von dem europäischen Dachverband der nationalen Gesellschaft für Phytotherapie (ESCOP) vor.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO jedoch befürwortet einen therapeutischen Einsatz von Nachtkerzen Öl beim „atopischem Ekzem/ Neurodermitis, diabetischer Neuropathie und Mastodynie“.

Das Nachtkerzen Öl wird aus den Samen gewonnen. In der medizinischen und pharmazeutischen Fachsprache ist die Pflanze unter dem Namen Oleum oenotherae semen bekannt. Die Anforderungen an die Qualität sind im Deutschen Arznei Codex (DAC) festgehalten.

Die Nachtkerze ist eine eher anspruchslose Pflanze und kann aus diesem Grund auch im eigenen Garten kultiviert werden. Da sie heute bei uns sehr verbreitet wächst, glauben viele Menschen, dass es sich um eine einheimische Pflanze handelt.

Für die Pflanze ist es wichtig, einen lockeren, sandigen oder auch steinigen Boden vorzufinden. Staunässe verträgt sie im Gegensatz überhaupt nicht. Besonders in den kalten Monaten sollte sie vor zu viel Feuchtigkeit geschützt werden. Nur die in Töpfen kultivierte Nachtkerze sollte von Zeit zu Zeit etwas Wasser bekommen.