Artischocke

Die Artischocke ist eine distelartige, ausdauernde Kulturpflanze mit fiederspaltigen Laubblättern. Im ersten Jahr bildet sie eine Blattrosette, im zweiten Jahr einen bis zu 2 m hohen Stängel mit Blütenköpfen. Vor dem Aufblühen geerntete Blütenköpfe werden wegen ihres fleischigen Blütenboden und der Hüllkelchblätter als Gemüse geschätzt. Unter günstigen Kulturbedingungen kann die Pflanze jedoch bereits im ersten Jahr eine Blüte hervorbringen. Medizinisch verwendet werden die getrockneten oder frischen Blattrosettenblätter.

Steckbrief: Artischocke

Pflanze:Cynara scolymus L.
Familie:Korblütengewächse (Asteraceae = Compositae)
Herkunft:Cynara ist im Mittelmeerraum, den Kanarischen Inseln und in Südamerika beheimatet.
Synonyme:Französische Artischocke, Gemüse-Artischocke, Grüne Artischocke, Kugelartischocke

Anwendung:

Verdauungsbeschwerden – klinisch gesichert
unterstützend bei hohen Blutfettwerte (Hyperlipidämien)- widersprüchliche Angaben Reizdarmsyndrom- traditionell/klinisch nicht gesichert

In den grünen Blättern und Blütenboden sind Bitterstoffe (Sesquiterpenlactone), Caffeoylchinasäuren und Flavonoide (insbes. Glykoside des Luteolins) enthalten.

Die Inhaltsstoffe fördern Gallenbildung und Gallenfluss und werden bei unspezifischen Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Völlegefühl und Reizdarmsyndrom eingesetzt. Bekannt ist auch eine blutfettsenkende Wirkung. Für Luteolin konnte eine Hemmung der körpereigenen Cholesterolbildung gezeigt werden, zusätzlich wird die Ausscheidung von Fetten über die Galle gefördert. Ferner besitzen Zubereitungen aus Artischockenblätter antioxidative und leberschützende Eigenschaften. Cynarin, das ursprünglich für das wirksame Prinzip gehalten wurde, kommt nur in geringen Mengen in der frischen Pflanze vor und wird erst bei der Extraktbereitung (Wärmebehandlung) gebildet.

Mittlerweile werden die Wirkungen der Artischocke auf den in den Blättern enthaltenen Gesamtkomplex an Flavonoiden und Chinasäurederivaten zurückgeführt. Und ist somit ausschlaggebend für die Qualität des Produkts. Präparate, die nur Cynarin enthalten sind mittlerweile vom Markt verschwunden.

Artischockenextrakte spielen auch in der Herstellung von Magenbittern und Likörweinen eine Rolle.

Dosierung:

Extrakt:
300 bis 400 mg drei mal täglich eines Wasserauszugs aus frischer oder getrockneter Droge. 6 g getrocknete Blätter entsprechen etwa 30 g frischen Blättern.
Tee:
Nicht üblich.
Frischpflanzenpresssaft:
Entsprechend Gebrauchsinformation.

Zubereitungen:

Artischockenblätter sind Bestandteil zahlreicher Fertigpräparate aus der Gruppe der Gallemittel in Form von Trockenextrakten, Frischpflanzenpresssaft oder alkoholischen Extrakten (Tinkturen) im Handel.

Hinweise:

Nicht anwenden bei Überempfindlichkeit (Allergie) gegen Korbblütler!

Nicht anwenden bei Verschluss der Gallenwege!
Bei Gallensteinleiden sollten Präparate aus Artischocken nur nach Rücksprache mit dem Arzt verwendet werden, da u.U. Gallenkoliken ausgelöst werden könnten. Bei über einer Woche andauernden oder immer wiederkehrenden Beschwerden sollte ein Arzt aufgesucht werden!

Schwangerschaft und Stillzeit:
Aufgrund unzureichender Erfahrungen sollten Präparate aus Artischockenblättern nicht während der Schwangerschaft und Stillzeit und bei Kindern unter 12 Jahren angewandt werden. Der Genuss von Gemüse in lebensmittelüblichen Mengen erscheint jedoch unbedenklich.

Wechselwirkungen:
Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Artischockenextrakte die Wirkung von blutgerinnungshemmenden Mitteln vom Cumarintyp beeinflusst werden, so dass eine engmaschige Kontrolle durch den Arzt empfohlen wird.