Lein / Flachs

Die in zwei Unterarten und vielen Varietäten vorkommende Leinpflanze wird weltweit kultiviert. Sie wird bis zu 1,5 m hoch und wirkt zart. Die himmelblauen, manchmal auch weiß, hellblauen, hellrosa oder lila Blüten sind an langen Stielen rispig angeordnet. Die Früchte sind hellbraune Kapseln, die bis zu 10 Samen enthalten.

Medizinisch verwendet werden die Samen und das aus den Samen gewonnene Leinöl.

Steckbrief: Lein / Flachs

Pflanze:Linum usitatissimum L.
Familie:Leingewächse (Linaceae)
Herkunft:Der Lein wird weltweit in den tropischen Gebieten angebaut. Importiert wird die Droge hauptsächlich aus Argentinien, Belgien, Indien, Marokko und Ungarn.
Synonyme:Haarlinsen, Hornsamen, Saatlein

Anwendung:

  • Leinsamen sind reich an Fetten (die ungesättigten Fettsäuren alpha-Linolensäure, Linolsäure und Ölsäure sowie 6 bis 16% gesättigte Fettsäuren), Proteinen, Ballaststoffen, Schleimstoffen und Vitaminen (B1, B2, B6. E. Nicotin-, Fol- und Panthotensäure) und haben daher Bedeutung bei der Behandlung der chronischen Obstipation (Verstopfung) und als diätetisches Nahrungsergänzungsmittel.
  • Verstopfung:
    Die an der Oberfläche der Samen lokalisierten Schleimstoffe quellen bei Einnahme mit ausreichend Wasser auf und bewirken durch das vergrößerte Volumen eine Förderung der Darmtätigkeit. Wird zerkleinerter Leinsamen verwendet, tragen die dadurch freigesetzten Fette als Gleitmittel bei. Zu beachten ist allerdings der nicht unbeträchtlich Nährwert von Leinsamen (470 kcal pro 100 g)! Die Verwendung eines „aufgeschlossenen“ ( = leicht gequetschten) Samens hat den Vorteil einer schnelleren Quellwirkung bei nur geringer Freisetzung von Fetten.
  • Bei leichten Schleimhautentzündungen des Magens und Darms (Gastritis und Enteritis):
    Durch die Einnahme des Schleims sollen die Reizungen gemildert und die Schleimhaut geschützt werden.
  • Nahrungsergänzung:
    Einer ausreichende Zufuhr von Ballaststoffen wird eine Schutzwirkung gegen Dickdarmkrebs zugeschrieben. Bei den im Leinsamen enthaltenen Lignanen wird auch eine Schutzwirkung gegenüber Darm- und Brustkrebs vermutet.
    Die Anreicherung einer Diät mit ungesättigten Fettsäuren und einer Reduktion der Zufuhr gesättigter Fettsäuren kann cholesterolsenkend wirken.
  • Äußerliche Anwendung:
    Bei örtlich begrenzten Entzündungen in Form eines Breiumschlages.
    Hinweise zur Toxizität der in Leinsamen enthaltenen cyanogenen Glykoside: (s. Hinweise).

Dosierung:

Als Abführmittel:
Zwei bis drei mal täglich wird 1 Esslöffel (ca. 10g) ganzer oder „aufgeschlossener“ (nicht geschrotet!) Leinsamen mit einem Glas Wasser (ca. 150 ml) eingenommen. Es empfiehlt sich, anschließend ein zweites Glas Wasser zu trinken (s. Hinweise).

Kinder zwischen 6 und 12 Jahren sollten die Hälfte, Kinder unter 6 Jahren sollten Leinsamen bei Verstopfung nur nach Anweisung des Arztes erhalten.

Schleimhautentzündungen des Magens:
Zwei bis drei mal täglich 1 Esslöffel ganzen oder „aufgeschlossenen“ Leinsamen in einem Glas Wasser quellen lassen und einnehmen. Es empfiehlt sich, danach ein weiteres Glas Wasser zu trinken (s. Hinweise).

Als Breiumschlag:
30 bis 50 g Leinsamenmehl mit heißem Wasser zu einem Brei verrühren. Dieser Brei wird in Stoff eingeschlagen und auf die gewünschte Stelle aufgebracht.

Zubereitungen:

Leinsamen werden von zahlreichen Herstellern angeboten, sind aber auch Bestandteil einiger Kombinationspräparate.

Hinweise:

  • Nicht anwenden bei Darmverschluss (Ileus), Verengungen der Speiseröhre oder des Magen-Darm-Kanals, bei Schluckbeschwerden und bei akuten Entzündungen der Speiseröhre, des Magens und Darms!
  • Treten nach der Einnahme Brustschmerzen, Erbrechen oder Beschwerden beim Schlucken oder Atmen auf, so ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen!
  • Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr in Form von Wasser oder Kräutertees (min 2 l täglich) ist zu achten!
    Bei ungenügender Flüssigkeitszufuhr kann es sonst zum Darmverschluss kommen. Aus diesem Grund sollte auch gleich nach der Einnahme ein weiteres Glas Wasser getrunken werden (s. Dosierung).
  • Bei anhaltender Verstopfung oder Stuhlunregelmäßigkeiten oder unklaren Beschwerden im Magen-Darm-Bereich ist eine Abklärung der Ursachen durch einen Arzt erforderlich!
  • Äußerliche Anwendung:
    Nicht anwenden bei Hauterkrankungen, die Zeichen einer Infektion tragen (z.B. nässende Wunden, stark gerötete Wundränder oder Eiterungen)! Die Behandlung solcher Wunden sollte durch einen Arzt erfolgen.
  • Wechselwirkungen:
    Wie alle schleimstoff- oder quellstoffhaltigen Arznei- oder Nahrungsmittel kann die Aufnahme anderer Arzneistoffe vermindert werden. Es sollte daher ein Abstand von min. einer Stunde zwischen der Einnahme von Leinsamen und der anderen Arzneimittel eingehalten werden.
    Leinsamen sollten nicht eingenommen werden, wenn andere Arzneimittel eingenommen werden, die die Darmtätigkeit hemmen (z.B. Mittel gegen Durchfall, wie z.B. Imodium oder zentralwirksame Analgetika (Opioide) im Rahmen einer Schmerztherapie). Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!
  • Cyanogene Glykoside:
    Leinsamen enthält in geringen Mengen cyanogene Glykoside, aus denen das stark giftige Cyanid freigesetzt werden kann. Da aber kein einziger Fall einer Vergiftung auch bei langdauernder Einnahme höherer Dosen bekannt ist, wird angenommen, dass die Cyanide zu langsam freigesetzt und aufgenommen werden, um giftig wirken zu können.
  • Schwermetalle:
    In Leinsamen kann sich das giftige Schwermetall Cadium anreichern. Sie sollten daher darauf achten, Leinsamen mit nach Arzneibuch geprüfter Qualität zu kaufen. Diese wurden auf Schwermetalle geprüft und enthalten Mengen, die bei normaler Dosierung unbedenklich sind.