Löwenzahn

Der Löwenzahn ist gerade bei Kindern als Pusteblume oder Butterblume bekannt. Der Wildkräuter zählt zu den wohl bekanntesten Wildpflanzen überhaupt und ist fast überall zu finden. In den Ursprüngen war die Pflanze auf der Nordhalbkugel zu finden, heute ist sie europaweit verbreitet. Vermutlich stammt der Löwenzahn, der auf nährstoffreichen Wiesen anzutreffen ist, aus Zentralasien und hat sich von dort ausgebreitet. Er wächst überwiegend auf landwirtschaftlichen Flächen, auf Nutztierweiden, Brachflächen und Wiesen, aber auch in Mauerspalten oder an Wegrändern.

Löwenzahn wird seit Jahrhunderten als anerkanntes Heilkraut empfohlen, denn er ist reich an Bitterstoffen und wird daher gegen Leber- und Gallenleiden eingesetzt. Auch in der heimischen Küche kann Löwenzahn verarbeitet werden, mit ihm lassen sich diverse Gerichte kreieren.

Merkmale von Löwenzahn

Der Löwenzahn ist eine mehrjährige, ausdauernde typisch krautige Pflanze, die eine sehr ausgeprägte Pfahlwurzel besitzt. Das auch als Kuhblume bezeichnete Kraut erreicht Wuchshöhen zwischen 15 und 45 Zentimeter, je nach Nährstoffverfügbarkeit und Standort.

Besonders ins Auge fallen die gesägten Blätter, die auffallend dunkel- bis hellgrün leuchten und zwischen 25 und 40 Zentimeter lang werden können. Sowohl die Stängel, als auch die Leitgefäße der Blätter enthalten einen charakteristischen Milchsaft. Dieser Saft schützt das Kraut durch die enthaltenen Bitterstoffe vor Wildfraß und Infektionen.

Systematik vom gewöhnlichen Löwenzahn

Der gewöhnliche Löwenzahn (Taraxacum officinale) gehört zur Familie der Korbblütler. Zu dieser weit verzweigten Pflanze gehören weitere bekannte Nutzpflanzen wie zum Beispiel der Wermut, die Ringelblume oder die echte Kamille. In der engeren Verwandtschaft gehört der Löwenzahn zu den Cichoriengewächsen (Cichorieae).

Unter den Korbblütlern findet sich eine weitere Gattung mit dem Namen Löwenzahn, die den wissenschaftlichen Namen Leontodon trägt. Sie ist mit dem der Gattung Taraxacum zwar verwandt, unterscheidet sich jedoch hinsichtlich der Inhaltstoffe, sowie einiger anderer botanischen Merkmale (Blüten, Samenveranlagung).

Der Löwenzahn ist auf der gesamten nördlichen Erdhalbkugel mit vielen Unterarten und Varietäten weit verbreitet. Medizinisch verwendet werden das zur Blütezeit gesammelte Kraut, als auch die Wurzeln. Die jungen frischen Blätter lassen sich zu Salaten oder Suppen verarbeiten.

Steckbrief: Löwenzahn

Pflanze:Taraxacum officinale Web.
Familie:Korbblütengewächse (Asteraceae = Compositae)
Herkunft:Löwenzahn ist mit vielen Unterarten auf der gesamten nördlichen Halbkugel heimisch. Die Droge wird hauptsächlich aus Ungarn, Bulgarien, Polen und dem ehemaligen Jugoslawien importiert.
Synonyme:Ackerzichorie, Butterblume, Kettenblume, Kuhblume, Pfaffendistel, Pfaffenröhrlein, Pferdeblume, Pusteblume, Ringelblume, Seicherwurzel, Wiesenlattich

Anwendung:

Der Löwenzahn enthält zahlreiche Bitterstoffe und eignet sich daher zur Behandlung von Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit und zur Förderung des Gallenflusses bei Fettverdauungsstörungen. Das Kraut ist reich an Kalium, was vermutlich zu der wassertreibenden und mild abführenden Wirkung beiträgt. Zur Verwendung kommt die gesamte Pflanze (Kraut und Wurzel), auch in der Volksmedizin zur Durchführung sog. „Frühjahrskuren“ und zur Bereitung von „Blutreinigungstees“.

Die volksmedizinische Nutzung der frischen Blätter als „Diabetikergemüse“, entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage.

Seit dem 16. Jahrhundert wird Löwenzahn unter anderem eingesetzt bei:

  • Magen- und Leberbeschwerden
  • Verstopfung
  • ungenügender Harnausscheidung
  • Reinigung der Nieren
  • rheumatischen Erkrankungen
  • Ekzemen (Juckflechte)
  • weitere Hauterkrankungen

In der Homöopathie kommt der Löwenzahn hauptsächlich zur Behandlung von Lebererkrankungen und Verdauungsbeschwerden, sowie in der anthroposophischen Therapie zum Tragen.

Während sich Gärtner über den Löwenzahn beklagen, ist die Pflanze bei anderen als Heilkraut anerkannt. Bei regelmäßigem Verzehr kann er die Gesundheit unterstützen und bewahren. Löwenzahn regelt nicht nur die Verdauung, sondern pflegt Leber und Galle, ist hilfreich bei Rheuma, löst Nierensteine auf, lässt Pickel und chronische Hautleiden abklingen und ist auch bekannt, als Allround- Stärkungsmittel.

Zur Anwendung kommt das Heilkraut in der Regel in Form von einem Löwenzahntee, vereinzelt auch in Form von einer Tinktur oder einem Presssaft. Für die Zubereitung von einem Löwenzahntee nimmt der Anwender 250 ml kochendes Wasser und etwa zwei gehäufte Teelöffel getrocknetes Löwenzahnkraut mit Wurzel. Der Aufguss muss mindestens 10 Minuten ziehen und danach abgeseiht werden.

Anwendungsgebiete:

Besonders bekannt ist Löwenzahn durch seinen positiven Einfluss auf sämtliche Organe, die an der Verdauung beteiligt sind. Das Kraut steigert die Magensaftsekretion, wirkt appetitanregend und zudem krampflösend. Eingesetzt werden hierbei in der Regel:

  • Löwenzahntees
  • Löwenzahnsalate
  • Löwenzahnpresssaft
  • Löwenzahnwurzelextrakt

Löwenzahn weist weiterhin eine choleretische Wirkung auf. Bedeutet: er regt die Gallenproduktion in der Leber an, führt zur Ausscheidung einer dünnflüssigen Gallenflüssigkeit und verbessert den Fettstoffwechsel.

Traditionell wird der Löwenzahn als Heilpflanze auch bei Hepatitis (Gelbsucht), Gallensteinen und Leberzirrhose verwendet. Dieses sollte allerdings nur unter Aufsicht durch einen phytotherapeutisch geschulten Heilpraktiker oder einem Arzt durchgeführt werden.

Die Wurzel des Löwenzahns ist ein echtes Aufbau- Tonikum, ganz ähnlich wie der Ginseng. Die Pflanze kann bei sämtlichen Schwächezuständen eingesetzt werden und gibt dem Körper so wieder Schwung und Kraft. Die Wurzel stärkt zudem die Nieren, die Leber und die Bauchspeicheldrüse, die Milz, den Darm und den Magen. Außerdem ist das Kraut geradezu prädestiniert dazu, Giftstoffe aus dem Körper zu treiben.

Die Bestandteile vom Löwenzahn sind jedoch nicht nur in der Küche von Nutzen, sondern sind auch als Heilmittel bereits seit der Antike bekannt und wurden schon hier häufig verwendet. Im Kräuterbuch von P. A. Matthioli wurde der Löwenzahn als Pfaffenröhrling bezeichnet und wurde verwendet, um den „ Bauchfluß zu stopfen“. Äußerlich wurde die Pflanze bei schmerzhaften Brüsten und Beinen, sowie bei verschwommenem Sehen eingesetzt.

Der Löwenzahn ist weiterhin:

  • appetitanregend
  • stoffwechselanregend
  • entwässernd
  • krampflösend
  • zur Förderung vom Gallenfluss
  • magensaftanregend
  • entzündungshemmend

Löwenzahn Inhaltsstoffe:

Die wichtigsten Inhaltsstoffe von Löwenzahn sind Bitterstoffe, wie Taraxacin, Eudesmolide und Sesquiterpene. Daneben sind enthalten:

  • Triterpene
  • Flavonoide
  • Phenylcarbonsäure
  • hoher Gehalt von Kalium

Weitere Inhaltsstoffe sind Eiweiß, Fett, Vitamine, Kohlehydrate, Wasser und Mineralstoffe (Natrium, Magnesium, Kalium, Calcium, Eisen, Phosphor Kupfer und Zink). Des Weiteren finden sich Chlorid, Fluorid, Jodid, Selen, Mangan und Schwefel.

Inhaltsstoffe im Überblick:

  • Bitterstoffe
  • Inulin
  • Inosit
  • Carotine
  • Fructose
  • Cerylalkohol (im Milchsaft)

Vor allen Dingen kommen in der Küche die Blätter des Löwenzahns zum Einsatz. Sie dienen besonders zum Zubereiten von Suppen, als Gemüse, Saft, grüne Smoothies oder Tee.

Die heilende Wirkung von Löwenzahn

Zu medizinischen Zwecken wird der gesamte Löwenzahn samt Blüten und Wurzeln genutzt. Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind, wie schon erwähnt, Bitterstoffe, Zuckerstoffe und Schleimstoffe.

Besonders in der Wurzel findet sich reichlich Inulin. Hierbei schwankt die Konzentration im Laufe des Jahres zwischen 2 und 40 Prozent, wobei diese Werte im Herbst am höchsten sind. Die Zuckerverbindung ist vor allen Dingen für Diabetiker gut geeignet, denn Inulin wird im menschlichen Körper nicht zu Einfachzuckerabgebaut und benötigt aus diesem Grund kein Insulin. Der frische Löwenzahn ist daher ein ideales Diabetiker- Gemüse.

Löwenzahn wirkt diuretisch

Die herkömmlichen Diuretika (harntreibende Arzneimittel), in der Umgangssprache auch als Wassertabletten bekannt, sorgen nicht nur für eine Ausleitung von Wasser, sondern leiten gleichzeitig auch Mineralstoffe aus.

Der Löwenzahn hingegen wirkt gleichermaßen harntreibend, versorgt den Organismus jedoch gleichzeitig mit wichtigen Mineralstoffen, insbesondere mit Kalium. Im Gegensatz zu synthetischen Diuretika kann es daher nicht zu einem Mineralstoffmangel kommen.

Die Pflanze kann also sehr erfolgreich bei unterschiedlichen Harnwegsinfektionen, Reizblase und anderen Erkrankungen des Urogenitaltraktes eingesetzt werden.

Darreichungsformen

Der Löwenzahn ist in zahlreichen Teemischungen, auch in Form von Filterbeuteln enthalten. Weiterhin bietet der Handel einen Instanttee aus der Gruppe der Leber- und Gallentees. Zudem sind Kombinationspräparate zu erwerben, die zur oralen Anwendung dienen. Diese gibt es als:

  • Tropfen
  • Kapseln
  • Tabletten
  • Tonika
  • Dragees

Als wirksamste Darreichungsform gilt der Frischpflanzenpresssaft.

Dosierung:

Tee:
1 bis 2 Teelöffel Löwenzahnkraut mit Wurzel wird mit ca. 150 ml Wasser kurz aufgekocht und nach rund 15 Minuten abgeseiht. Morgens und abends 1 Tasse frisch zubereiteten Tee trinken.

Anwendungsdauer:
Zubereitungen aus Löwenzahn sollten kurmäßig über einen Zeitraum zwischen 4 bis 6 Wochen angewendet werden.

Die mittlere Tagesdosis beträgt, soweit nicht anders verordnet wurde, bei Aufgüssen etwa 1 Esslöffel der geschnittenen Droge auf 1 Tasse Wasser und bei Tinkturen 3 Mal täglich 10 bis 15 Tropfen. Bei Abkochungen gibt der Anwender 3 bis 4 Gramm der geschnittenen Droge auf eine Tasse Wasser.

Löwenzahn Zubereitungen:

Zur Zubereitung eines Löwenzahntees werden 1 bis 3 Gramm der fein geschnittenen Droge (1 Teelöffel entspricht rund 1,2 Gramm), mit kaltem Wasser angesetzt, aufgekocht und danach 10 Minuten ziehen gelassen. Anschließend das Ganze durch ein Sieb geben. Bei Verdauungsbeschwerden sollte der Nutzer jeweils am Morgen und Abend eine Tasse des noch warmen Tees zu sich nehmen.

Löwenzahn sollte bei einem vorliegenden Verschluss der Gallenwege, Eiteransammlung in der Gallenblase (Gallenblasenempyem) oder Darmverschluss nicht zu sich genommen werden. Vor Beginn einer Therapie ist unter allen Umständen ein Arzt zu konsultieren.

Bei Durchführung einer Durchspültherapie mit Löwenzahn muss der Anwender auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Hier wird empfohlen, jeden Tag mindestens 2 Liter Flüssigkeit aufzunehmen. Die Droge muss trocken und vor Licht geschützt gelagert werden.

Löwenzahn ist als Frischpflanzensaft erhältlich, aber auch Bestandteil von sog. Blutreinigungstees und diverser Fertigarzneimittel aus der Gruppe der Gallenwegstherapeutika, Magen-, und Darmmittel und Diuretika.

Hinweise:

  • Durch die Förderung der Magen- und Gallensekretion können bei empfindlichen Personen, Magenbeschwerden auftreten!
  • Der Milchsaft (vor allem im Stängel der frischen Pflanze enthalten), kann in seltenen Fällen zu Allergien führen!
  • Bei Gallensteinen ist vor der Anwendung die Rücksprache mit einem Arzt erforderlich!
  • Ein Verschluss der Gallenwege oder Darmverschluss (Ileus), sowie bei bakteriellen Gallenblasenentzündungen verbietet sich die Verwendung von Löwenzahn wegen der möglichen Auslösung von Koliken.
  • Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch sind keine Risiken bekannt.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen:

Löwenzahn regt den Gallenfluss, daher nicht anwenden, wenn der Abfluss der Gallensäfte gestört ist:

  • Darmverschluss
  • Entzündung und Verschluss der Gallenwege
  • Eiteransammlungen in der Gallenblase
  • Gallensteinen

Bei einem Gallensteinleiden und bei schweren Leberfunktionsstörungen, darf Löwenzahn nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden.

Wie alle Bitterstoffe kann Löwenzahn zudem zu Magenbeschwerden durch eine Übersäuerung führen. Bei einem häufigen Kontakt mit dem Milchsaft könnte es bei empfindlichen Personen zu einer Kontaktdermatitis kommen.

Wegen der harntreibenden Wirkung sollten Präparate mit Löwenzahn möglichst nicht am späten Abend eingenommen werden.

Wissenswertes über den Löwenzahn

Löwenzahn ist reich an Provitamin A und D, Vitamin C, E und B und enthält vor allen Dingen Zink. Zu Heilzwecken erscheint es sinnvoll, die Wurzel zusammen mit der noch jungen Blattrosette zu sammeln. Diese enthält nicht nur bis zu 10 % Bitterstoffe, sondern auch Saponine, Gerbstoffe und Mineralien, vor allem Natrium und Kalium.

Löwenzahn wirkt überwiegend auf die Leber und wird daher gern gegen Gallenleiden bis hin zur Behandlung von Gallensteinen und Gelbsucht eingesetzt. Weitere Anwendungsgebiete sind:

  • Diabetes
  • Blutreinigung
  • Magen- Darmleiden
  • Nieren- und Blasenentzündung
  • Behandlung von Bettnässen
  • Hämorrhoiden

Löwenzahn ist des Weiteren bei Rheuma und Gicht, bei Hautkrankheiten und zur Rekonvaleszenz einsetzbar. Das Kraut wirkt entgiftend, wundheilend, ausleitend und entzündungshemmend.

Der Löwenzahn ist mit seiner bis zu zwei Meter tief wurzelnden Pfahlwurzel eine Pionierpflanze. Er kann selbst ohne Befruchtung in seinen Samenanlagen neue Embryonen bilden und sich somit selber fortpflanzen. Die Samen (Schirmflieger) bilden die sogenannte Pusteblume und werden über den Wind verbreitet.