Rosskastanie

Die gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) gehört in unseren Breiten zu den schnell wachsenden Bäumen. Die heilenden Wirkstoffe, gegen chronische Venenbeschwerden (Veneninsuffizienz) werden in erster Linie aus den Samen gewonnen. Weitere Heilmöglichkeiten gibt es bei Beschwerden mit müden und schweren Beinen, sowie auch bei Krampfadern. Weitere typische Beschwerden sind Juckreiz, Wadenkrämpfe, als auch Schwellungen der Beine.

Die Rosskastanie ist ein bis zu 35 Meter hoher, sommergrüner Baum mit großen, regelmäßig wachsenden Kronen. Häufig dient das Gewächs als Schattenspender, zum Beispiel in bayrischen Biergärten. Die Blätter sind 5- bis 7- Fach gefiedert und befinden sich an langen Stielen.

Steckbrief: gewöhnliche Rosskastanie

Pflanze: Aesculus hippocastanus L
Familie:Rosskastaniengewächs (Hippocastanaceae)
Herkunft:Europa, Kleinasien, Nordindien, Kaukasus, Nordgriechenland
Droge:Aus osteuropäischen Ländern importiert
Synonyme:Fopp Kastanie, gemeine Rosskastanie, Juden Kest, Pferdekastanie, wilde Kastanie

Typisches Merkmal der Rosskastanie

Typisches Merkmal der Rosskastanie sind ihre gelbgrünen, kugeligen Früchte. Diese besitzen weiche Stacheln und enthalten glänzend braune Samen, die wiederum über einen großen, hellen Nabelfleck verfügen.

Keinerlei Ähnlichkeit besitzt die gewöhnliche Rosskastanie zur Ess- Kastanie (Castanea sativa). Diese gehört der Familie der Buchengewächse an und besitzt abgesehen von den Früchten keine Gemeinsamkeit mit der Rosskastanie. Samen der Rosskastanie sind nicht für den menschlichen Verzehr geeignet.

In der Medizin kommen Extrakte aus den Samen, der Rinde und den Blättern zum Tragen, wobei der größte Nutzen nur für die Samenextrakte belegt ist.

Die Anwendung

Zur Anwendung kommen mit alkoholischen Auszugsmitteln hergestellt, standardisierte Trockenextrakte aus den Samen der Rosskastanie. Für den Hauptwirkstoff Aescin, einem Gemisch aus monodesmoidischen Triterpensaponinen, sind gefäßabdichtende, venentonisierende und antiödematöse Wirkungen beschrieben.

Weiterhin beinhaltet der Extrakt Flavonoide, während die toxikologisch bedenklichen Cumarinderivate Aesculin und Fraxin sich nur in Auszügen der Rinde, Blätter, Blüten oder den Fruchtschalen befinden. Die Wirksamkeit von Präparaten, die einen Extrakt aus den Blättern oder der Rinde der Rosskastanie enthalten, ist nicht belegt.

Die gewöhnliche Rosskastanie kann ein Alter von bis zu 300 Jahren erreichen. Ihre Ursprünge finden sich in Südosteuropa, erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts kam die Kastanie über Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, zu uns. 2005 avancierte der Baum zur Arzneipflanze des Jahres.

Präparate aus Rosskastaniensamen zum Einnehmen oder auch aus reinem Aescin werden bei chronischer Veneninsuffizienz eingesetzt. Äußerliche Zubereitungen wie zum Beispiel, Gele zeigen einen kühlenden Effekt, haben ansonsten vermutlich wenig Wirkung.

Hinweis:
Die venöse Insuffizienz (Venenschwäche) äußert sich in Schmerzen, Spannungs- und Schweregefühl in den Beinen. Auftreten können auch Schwellungen, die besonders an heißen Tagen und abends ausgeprägt sind. Sichtbare Zeichen sind Krampfadern, als auch Besenreißer.

Durch die Wassereinlagerungen kann es zu einer Minderversorgung des Gewebes mit Sauerstoff, sowie zu langfristigen Entzündungen und Geschwüren kommen.

Aescin vermindert Schwellungen, ähnlich gut wie eine Kompressionstherapie, ist jedoch kein Ersatz für eine medikamentöse Behandlung durch einen Arzt. Weitere Maßnahmen sind beispielsweise, dass Wickeln der Beine, sowie das Tragen von Stützstrümpfen.

Rosskastanie Inhaltsstoffe

Die Samen beinhalten das Triterpensaponingemisch Aescin, welches aus mehr als 30 Saponingylkosiden besteht. Es wirkt abdichtend an den Gefäßwänden von Venen, was es besonders im Bereich Pharmazie interessant macht.

Es steckt jedoch noch mehr in den Samen der Rosskastanie:

  • Flavonoide (sekundäre Pflanzenstoffe)
  • Gerbstoffe
  • Bitterstoffe
  • Campheröl

In der Rinde und den Blättern finden sich nur geringe Konzentrationen des medizinisch wirksamen Aescins.

Zubereitung und Dosierung

Bei den Darreichungsformen kann gewählt werden unter:

  • Tabletten
  • Kapseln
  • Dragees

Diese dienen der Behandlung von Venenleiden, sind jedoch auch zur Behandlung von Hämorrhoiden einzusetzen. Der Trockenextrakt ist aus den Samen der Rosskastanie produziert und auf dem Wirkstoff Aescin standardisiert.

Die Wirksamkeit äußerlich anzuwendender Zubereitungen, wie Gele oder Tinkturen ist allerdings wissenschaftlich nicht belegt. Allerdings bietet der Handel auch Badezusätze, die Aescin enthalten.

Hinweise:

  • Empfindliche Personen könnten eventuell mit Magen- Darmreizungen reagieren. Von der Einnahme hoher Dosen ist abzusehen, denn es kann zu Erbrechen, Durchfall, als auch anderen Vergiftungserscheinungen führen. Für Abhilfe kann die Verwendung einer magensaftresistenten Formulierung sorgen.
  • Vor Beginn einer Behandlung muss sichergestellt sein, dass die Schwellungen in den Beinen durch Veneninsuffizienz verursacht wurden. Andere Erkrankungen wie beispielsweise, eine Stauung des lymphatischen Systems oder einer Herzinsuffizienz dürfen nicht vorliegen.
  • Tritt in einem Zeitraum von vier bis sechs Wochen keine Besserung der Beschwerden ein, muss ein Arzt konsultiert werden.
  • Weitere, vom Arzt verordnete Maßnahmen (Stützstrümpfe), müssen fortgeführt werden.
  • Die Verwendung von Teezubereitungen aus den Blättern oder der Verzehr der Samen kann zu Vergiftungen führen.
  • Nicht ohne ärztlichen Rat während einer Schwangerschaft oder in der Stillzeit anwenden. Zur Unbedenklichkeit liegen bis jetzt keine Daten vor.
  • Bei Erkrankungen von Niere oder Leber, nicht ohne ärztlichen Rat anwenden. Bei einer intravenösen Anwendung wurden Leber- bzw. Nierenschädigungen beobachtet.

Wirkung der Rosskastanie

Das in den Samen der Rosskastanie enthaltene Aescin verringert die im Blut von Venen erkrankten Personen, eine erhöhte Konzentration bestimmter Enzyme. Dadurch bedingt wird die krankhafte Durchlässigkeit kleiner Gefäße vermindert, so kann sich im Gewebe keine Flüssigkeit mehr ansammeln. Zudem wirkt die Rosskastanie venentonisiernd, was einen Rückfluss fördert.

Durch diese Eigenschaften wird die Rosskastanie zu einem wirksamen Mittel gegen Krampfadern und Venenschwäche. Darüber hinaus gilt die Rosskastanie als:

  • entzündungshemmend
  • adstringierend
  • antibakteriell
  • blutreinigend
  • blutstillend
  • harntreibend
  • krampflösend
  • schleimlösend
  • schmerzstillend

Anwendung in der Phytotherapie

Die Hauptanwendungsgebiete der Rosskastanie in der Phytotherapie liegen in der Venenstärkung. Dadurch können Probleme wie Krampfadern, Hämorrhoiden, Arteriosklerose, Juckreiz, Wadenkrämpfe, sowie schwere und/oder geschwollene Beine gelindert und bekämpft werden.

Dank der gefäßabdichtenden, entzündungshemmenden und venenstärkenden Effekte, kann die Rosskastanie, auch nachträglich gegen Thrombosen, Gefäß- Beschwerden durch Stoffwechselerkrankungen, als auch gegen Muskel- und Sehnenschwellungen eingesetzt werden.

In der Apotheke gibt es nahezu 100 Fertigpräparate mit wässrig- alkoholischen Trockenextrakten aus der Rosskastanie. Angeboten werden unterschiedliche Darreichungsformen, wie oben erwähnt, als auch Tropfen.

Die bekanntesten Medikamente auf der Basis von Rosskastanie sind:

  • Aescin forte
  • Aescuven
  • Pascovenol
  • Venodura Retard
  • Venoplant Retard S
  • Venoselect N
  • Venostasin

Die reifen Samen der Rosskastanie werden zwischen September und Oktober per Hand gesammelt. Auf einer sauberen Unterlage kommen sie danach an einem warmen Ort für circa 10 bis 30 Tage zum Trocknen. Vor der eigentlichen Verarbeitung erfolgt eine Kontrolle, die die Wirksamkeit und den Gehalt des medizinisch wirksamen Aescin überprüft.

Triterpensaponine werden abgetrennt und über eine Lichtmessung bestimmt. Laut Vorschrift des Deutschen Arzneibuches (DAB), muss der Gehalt bei mindestens 3 % liegen. Erst nach dieser eingehenden Prüfung wir ein Auszug mit Ethanol- Wasser- oder Menthol- Wasser- Gemischen hergestellt. Dieses wird dann zur Weiterverarbeitung von Monopräparaten oder Kombinationspräparaten wie zum Beispiel, Tabletten, Kapseln oder Tropfen verarbeitet.

Rosskastanie Dosierung und Zubereitungen

Zur inneren Anwendung werden auf den Tag verteilt zwei Dosen empfohlen. Diese liegen zwischen 250 und 750 Milligramm Trockenextrakt. Die Menge entspricht 30 bis 150 Milligramm des Wirkstoffes Aescin.

Tritt nach rund 2 Wochen eine Besserung ein, darf die Dosis auf 40 bis 60 Milligramm reduziert werden. Längerfristige Einnahmen muss ein Anwender unbedingt mit dem behandelnden Arzt absprechen.

Badezusatz mit Rosskastanie

Bei Durchblutungsstörungen, Sportverletzungen, Gicht und Rheuma, kann ein Vollbad mit Rosskastanien- Zusatz hilfreich sein. Der Zusatz kann problemlos auch Zuhause hergestellt werden. Dazu einen halben Eimer frischer Kastanien sammeln, diese gründlich waschen und halbieren. Über Nacht einweichen.

Die aufgeweichten Kastanien für einen kurzen Zeitraum in Wasser aufkochen und den Sud abseihen. Diesen ins Badewasser geben, umrühren, bis sich ein feiner Schaum bildet.

Tinktur aus Rosskastanie

Ebenfalls frische Kastanien sammeln, gründlich säubern und zerkleinern. Kastanienstücke in ein Glas geben und mit hochprozentigem Alkohol auffüllen. Für mindestens drei Wochen an einen hellen und nicht zu kalten Ort stellen, währenddessen ab und an schütteln.

Die Mischung filtern (Kaffeefilter, Baumwolltuch) und auffangen. Die entstandene Tinktur kann sowohl äußerlich, als auch innerlich zur Anwendung kommen. Der Sud ist hilfreich bei Venenschwäche, Arteriosklerose und geschwollene Knöchel. Dosierung: zwei bis dreimal täglich 10 bis 15 Tropfen.

Rosskastanien Creme

Zur Behandlung von rheumatischen Beschwerden oder von Krampfadern, kann aus der oben genannten Tinktur eine Creme gefertigt werden. Neben 30 Millilitern werden 30 Milliliter Olivenöl, 4 Gramm Bienenwachs, sowie 15 Gramm Lanolin benötigt.

Öl, Lanolin und Wachs in einen Topf geben und im Wasserbad unter Rühren schmelzen lassen. Die noch warme Tinktur in ein hergestelltes Öl- Wachs- Gemisch einrühren. Das Rühren so lange durchführen, bis sich eine lauwarme Creme bildet. Dann 20 Tropfen ätherisches Wacholderbeeren- Öl dazugeben und die Creme in einem Tiegel umfüllen. Eine Lagerung ist im Kühlschrank möglich.

Studien zur Wirksamkeit

Bestätigt wurde die Wirksamkeit der Rosskastanie durch die Kommission E. Beschwerden, wie sie bei schweren Beinen, Schwellungen, Juckreiz oder Wadenkrämpfen auftreten, können nachweislich gelindert werden. Dies ist allerdings nur dann möglich, wenn es sich bei den Präparaten um Trockenauszüge der Samen handelt. Eine Wirksamkeit von Blüten, Blättern und der Rinde ist bislang nicht gesichert.

Wissenswertes über die Rosskastanie

Vor allem in Städten ist die gewöhnliche Rosskastanie zu finden. Der Baum steht an Alleen und Straßen oder in Parks und Gärten. Oft wird die Rosskastanie als „Biergartenbaum“ bezeichnet, denn in diesen Lokalitäten, gilt er oft als Schattenspender.

Die große Ausbreitung des Baumes konnte erfolgen, da er kaum Ansprüche an den Boden besitzt. Zeitgleich machen ihm auch große Hitze, Trockenheit und Frost nichts aus. In Wäldern allerdings ist die Rosskastanie selten anzutreffen, denn ihr Holz ist nicht als langlebig zu bezeichnen und aus diesem Grund auch nicht als Bauholz geeignet.

Aussehen:Bis zu 35 Meter hoch. Blätter grün, oval, gezähnt
Blütezeit:Mai bis Juni
Standort:Wälder, Gärten
Besonderheit:Rosskastanie hilft gegen Durchblutungsstörungen

Bei Kindern ist die Rosskastanie sehr beliebt, denn sie dient zur Sammelzeit als Bastelmaterial. Kastanien sind rund, grün und stachelig. Erst nach dem Öffnen der Schale, ist die eigentlich braune Kastanie zu finden. Auch zur Wildfütterung werden die Früchte geschätzt, da sie über einen hohen Stärkegehalt verfügen.