Weiß-Tanne

Der auch als Edeltanne bezeichnete, etwa 55 m hoch wachsender Baum ist in mittel- und südeuropäischen Gebirgslagen heimisch und kann ein Alter von 500 bis 600 Jahre erreichen. Mittlerweile ist ihr natürlicher Bestand der Weiß-Tanne in Deutschland jedoch stark zurückgegangen. Der Wuchs ist kegelförmig mit ausgeprägter Spitze, die Rinde von Jungbäumen weißlich und weich, später schuppig. Die Oberseite der 1 bis 3 cm langen Nadeln ist glänzend dunkelgrün, die gräuliche Unterseite zeigt 2 weiße Streifen. Die Nadelspitzen sind stumpf und niemals stechend. Die Tannenzapfen sind nicht wie bei anderen Nadelbäumen hängend sonder stehen kerzenartig aufrecht. Schon früher wurde in der Volksheilkunde nicht immer zwischen Tanne und/oder Fichte (Picea-Arten) unterschieden und die Drogen vielerorts gleich verwendet. Auch heute kann unter der Bezeichnung „Fichtennadelöl“ das ätherische Öl beider Gattungen verstanden werden.

Steckbrief: Weiß-Tanne

Pflanze:Abies alba Mill.
Familie:Kieferngewächse (Pinaceae)
Herkunft:Die Weiß-Tanne ist in Mittel- und Südosteuropa beheimatet.
Synonyme:Edeltanne, Gemeine Tanne, Tanne

Anwendung:

  • Katarrhe der Atemwege (innerlich)
  • bei Muskel- und Nervenschmerzen (äußerlich)

Aus den verschiedenen Pflanzenteilen werden unterschiedliche Zubereitungen gewonnen, deren wesentlicher Bestandteil das ätherische Öl darstellt.

Edeltannenöl:
Aus frischen Zweigspitzen (Jungtriebe) bzw. den Nadeln erhält man durch Wasserdampfdestillation ein ätherisches Öl mit hohem ?-Pinen- und Limonengehalt sowie Camphen und Bornylacetat. Es wirkt schwach antiseptisch, expektorierend und durchblutungsfördernd.

Edeltannenextrakt:
Aus dem Destillationsrückstand wird mit heißem Wasser und Aufkonzentrieren ein Extrakt gewonnen, der zusätzlich mit Edeltannenöl versetzt wird.

Edeltannenöl und –extrakt werden zur Herstellung von medizinischen Bädern, Einreibemitteln, Zubereitungen zur Inhalation und Fichtennadel-Franzbranntwein verwendet. Ferner dienen sie zur Aromatisierung verschiedener Kosmetikprodukte (z.B. Seifen, Deodorants) und Raumsprays.

Edeltannenzapfenöl = Templinöl:
Durch die Wasserdampfdestillation der Fruchtzapfen erhält man ein balsamisches Öl mit zitronenartigem Geruch, das vorwiegend in der Kosmetikindustrie verwendet wird.

Straßburger Terpentin:
Der nach Öffnen der Harzbehälter austretende Balsam. Es wurde volkstümlich ebenfalls zu Einreibungen und Inhalationen verwendet, allerdings gilt es bei häufiger und großflächiger Anwendung als toxisch (s. Hinweise). Industriell wird es zur Herstellung von Lacken und Farben verwendet.

Dosierung:

Tee:
Nicht üblich.

Edeltannenöl:
innerlich: 3 mal täglich 4 Tropfen in etwas Wasser oder auf einem Stück Würfelzucker einnehmen.
äußerlich: mehrmals täglich einige Tropfen auf den betroffenen Stellen einreiben.

Straßburger Terpentin:
Keine Empfehlung möglich.

Zubereitungen:

Fichtennadelöl ist in zahlreichen äußerlich oder innerlich anzuwendenden Präparaten zur Behandlung von Erkältungskrankheiten oder rheumatischen Schmerzen in Form von Tinkturen, Einreibungen, Salben, Inhalaten und Bädern enthalten.

Hinweise:

  • Nicht anwenden bei Keuchhusten oder Asthma!
    Durch die Reizwirkung der ätherischen Öle können Bronchospasmen ausgelöst werden.
  • Nicht bei Säuglingen oder Kleinkindern innerlich anwenden!
  • Zubereitungen zur Inhalation bei Säuglingen und Kleinkindern nicht im Gesichtsbereich oder in der Nase anwenden!
    Heftige Erkältungskrankheiten und Husten bei Säuglingen und Kleinkindern bedürfen immer der ärztlichen Behandlung!
  • Keine Bädertherapie bei akuten Hauterkrankungen, größeren Hautverletzungen, Fieber, Herzinsuffizienz oder Bluthochdruck durchführen!
  • Bei akuten Beschwerden, die länger als eine Woche anhalten oder immer wiederkehren, sollte ein Arzt zur Abklärung der Ursachen zu Rate gezogen werden.
  • Nebenwirkungen:
    Autooxidationsprodukte des ätherischen Öls können bei äußerlicher Anwendung zu Ekzemen führen. Ferner kann das ätherische Öl reizend an Haut und Schleimhaut wirken sowie Bronchospasmen verstärkt werden. 

    Das ätherische Öl wirkt lähmend auf die Zilientätigkeit und sollte daher nicht in der Nase angewendet werden. Bei der Anwendung des Straßburger Terpentins können Hautreizungen und Ekzeme entstehen. Insbesondere häufige und bei äußerlicher Therapie auch großflächige Anwendung wirken toxisch und können zu Schäden der Nieren und des Nervensystems führen.