Wermut

Der bis zu 1,20 m hohe Halbstrauch mit stark verzweigten Ästen ist in den trockeneren Gebieten von Europa und Asien heimisch. Die dreifach fiederteiligen Laubblätter sind an beiden Seiten seidig behaart. Die kleinen, gelben Blüten stehen in einer reichästigen, vielblütigen Rispe. Medizinisch verwendet werden die zur Blütezeit gesammelten Blüten und oberen Sprossteile und Laubblätter. Charakteristisch sind der aromatische Geruch und der sehr bittere Geschmack. Der um 1900 vor allem in Frankreich gebräuchliche Absinthschnaps führte zu erheblichen Vergiftungserscheinungen und wurde dann in den meisten Ländern verboten. Im Zuge der Angleichung der Rechtsvorschriften innerhalb der EU ist die Verwendung von thujonhaltigen Spirituosen bei Einhaltung bestimmter Höchstgrenzen wieder erlaubt. Wermut ist mit den als Küchengewürzen bekannten Estragon (Artemisia dracunculus) und Beifuß (Artemisia vulgaris) verwandt.

Steckbrief: Echter Wermut

Pflanze:Artemisia absinthium L.
Familie:Korblütengewächse (Asteraceae = Compositae)
HerkunftDie Droge wächst in Europa, in Teilen Asiens, Nordafrika und in Nord- und Südamerika. Der Import erfolgt aus den ost- und südosteuropäischen Ländern.
Synonyme:Absinth, Bitterer Beifuß, Wurmkraut

Anwendung:

Vor allem die Blüten enthalten ein ätherisches Öl, das aus verschiedenen Mono- und Sesquiterpenen zusammengesetzt ist und sehr bitter schmeckende Sesquiterpenlactone, z.B. Absinthin und Artabsin. Wässrige Auszüge in Form von Tee eignen sich wegen der die Verdauungssäfte anregenden Bitterstoffe zur Behandlung von Appetitmangel und Verdauungsstörungen, wie krampfartige Beschwerden, Völlegefühl und Blähungen sowie zur Anregung des Gallenflusses.

Das im ätherischen Öl enthaltene, schwer wasserlösliche Thujon wirkt in höheren Dosierungen oder längerem Gebrauch als Krampfgift und findet sich in alkoholischen Auszügen in höherer Konzentration (s. Hinweis).

Für die in der Volksheilkunde propagierte äußerliche Anwendung bei schlecht heilenden Wunden oder Insektenstichen gibt es keine wissenschaftliche Belege.

Wermutkraut wird auch zur Aromatisierung von Magenbittern oder Aperitifs (Wermutwein) verwendet. Hierzu werden thujonarme Öle z.B. aus dem Römischen Wermut (A. pontica) bevorzugt.

Absinth wird aus alkoholischen Auszügen von Wermutkraut, Anis, Fenchel und Zitronenmelisse hergestellt und kann z.T. erhebliche Mengen an Thujon enthalten. Das als „grüne Fee“ bezeichnete Getränk wurde Anfang des 20. Jahrhunderts massenhaft vor allem in Frankreich konsumiert, u.a. von Künstlern wie Toulouse-Lautrec, van Gogh und Baudelaire. Inwieweit die halluzinogene und gesundheitsschädlichen Wirkungen, die schließlich zu einem Verbot führten, dem ja doch recht hohen Alkoholgehalt bzw. dem Thujon oder anderen damals zugesetzten Stoffen zugeschrieben werden können, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.

Dosierung:

Tee:
1 halber Teelöffel (ein Teelöffel entspricht ca. 1,5 g) wird mit ca. 150 ml siedendem Wasser übergossen und nach 10 Minuten abgeseiht. Zur Appetitanregung eine Tasse frisch bereiteten Tee eine halbe Stunde vor dem Essen, zur Förderung des Gallenflusses nach dem Essen trinken.

Tagesdosis:
2 bis 3 g getrocknetes Wermutkraut.

Nicht in höherer Dosierung oder über längere Zeit anwenden!

Zubereitungen:

Wermutkraut ist als Tee oder Bestandteil von Teemischungen erhältlich. Aus Wermutkraut hergestellte flüssige oder Trockenextrakte sind Bestandteil zahlreicher Fertigarzneimittel zur Behandlung von Magen-, Darm- und Gallebeschwerden.

Hinweise:

Nicht während Schwangerschaft und Stillzeit anwenden!

Nicht in höherer Dosierung oder über längere Zeit anwenden!

Nicht geeignet zur Behandlung von Magen-Darmbeschwerden, die durch eine übermäßige Säureproduktion verursacht werden (z.B. Magengeschwür).

Bei Gallensteinleiden können durch die Anregung des Gallenflusses Koliken ausgelöst werden.

Bei akuten Beschwerden, die länger als eine Woche anhalten oder periodisch wiederkehren, wird die Rücksprache mit dem Arzt empfohlen.

Das im ätherischen Öl des Wermutkrauts enthaltene Thujon wirkt in höherer Dosierung als Krampfgift. Vergiftungserscheinungen äußern sich in Erbrechen, starken Durchfällen, Harnverhalt, Benommenheit und Krämpfen. Wässrige Auszüge (Tee) enthalten Thujon in geringerer Konzentration als alkoholische Zubereitungen (z.B. Liköre, Schnaps, Tinkturen).

Wechselwirkungen:

Nicht mit Arzneimitteln einnehmen, die die Krampfschwelle erniedrigen können, wie z.B. tricyclische Antidepressiva, Trazodon oder Phenothiazine.