Lavendel

Der Name Lavendel leitet sich vom lateinischen Wort „lavare“ ab. Übersetzt bedeutet das so viel wie „Waschen“. Ein Wunder ist das nicht, denn schon seit dem Altertum ist das Öl der Pflanze ein beliebter Bade- und Waschzusatz. Heute gibt es bereits mehr als 26 verschiedene Lavendelarten, die sich in Form von Blüten, Größen, Farben und Eigenschaften unterscheiden.

Der Lavendel fand schon bei den alten Ägyptern und Römern Beachtung, in Europa hingegen war er nur als Wildpflanze oder Unkraut bekannt. Allerdings erwähnte Hildegard von Bingen den Lavendel schon als Heilpflanze.

Die wichtigsten Sorten von Lavendel sind:

  • Der echte Lavendel (lavandula angustifolia)
  • Der Speik Lavendel (lavandula latifolia)
  • Der normale Lavendel (lavandula intermedia)

Der Echte Lavendel ist ein bis zu 60 cm hoch wachsender, winterharter Halbstrauch mit stark verzweigten Ästen und aufrechten Zweigen. Die Blätter besitzen eine schmal- lanzettliche Form, wobei die unteren weiß- filzig behaart, die oberen grau- grün erscheinen. Die violetten Blüten sitzen am Ende von 10 bis 15 cm langen, behaarten Stielen in ährenähnlichen Schein- Quirlen.

Die im Mittelmeerraum beheimatete Pflanze wächst überwiegend in höheren Lagen. In tieferen Gebieten kommt es zur Hybridisierung des Echten Lavendels mit L. latifolia Medik, dem großen Speik zu Lavandula x intermedia Emeric. Ex Loisel, dem Lavandin.

Medizinisch verwendet werden die kurz vor dem Aufblühen geernteten Blüten samt Blütenkelch und das daraus gewonnene ätherische Öl.

Steckbrief: Lavendel

Pflanze:Lavandula angustifolia Mill. Syn. L. officinalis Chaix
Familie:Lippenblütler (Lamiaceae)
Herkunft:Der Lavendel ist im Mittelraum beheimatet. Die Droge wird aus Frankreich, Spanien und Südosteuropa importiert.
Synonyme:Kleiner Speik, Lavander, Lavandel

Anwendung:

Die Blüten der Heilpflanze Lavendel wirken beruhigend bei nervösen bedingten Unruhezuständen, Störungen beim Einschlafen und auch bei Kreislaufproblemen. Zudem kann die Pflanze hilfreich sein bei:

  • Beschwerden im Oberbauch
  • Atemwegserkrankungen
  • rheumatischen Beschwerden

Zur Anwendung kommen in der Regel Öl, Tee oder ein Aufguss in einem Bad.

Innere Anwendungsgebiete:Äußere Anwendungsgebiete:
nervös bedingten Unruhezuständennervös bedingten Kreislaufbeschwerden
Einschlafstörungenrheumatischen Beschwerden
Behandlung funktioneller Oberbauchbeschwerden
nervösem Reizmagen
Atemwegserkrankungen
Roemfeld- Syndrom

Die Wirksamkeiten dieser Anwendungsgebiete ist nicht wissenschaftlich belegt.

Lavendelblüten und Blätter kommen vor allen Dingen in der mediterranen Küche zum Einsatz. Sie werden hier als Gewürz verwendet, bei süßen, aber auch bei salzigen Speisen. Ein größerer Bestandteil findet sich zum Beispiel in der Gewürzmischung „Kräuter der Provence“. Lavendelkissen, zwischen die Wäsche gelegt, dienen zur Abwehr von Motten.

Zusätzlich wird Lavendel in der Aromatherapie und in der Parfüm- und Kosmetikartikelindustrie genutzt.

Die echten Lavendelblüten enthalten ein ätherisches Öl mit einem hohen Anteil an Linalool und Linalylacetat, ferner einen geringen Anteil an 1, 8- Cineol und Campher. Vor allem Linalool und Linalyacetat werden eine beruhigende Wirkung zugesprochen. Linanool besitzt zudem eine hemmende Wirkung auf das Wachstum einiger Bakterien und Pilze.

Hinweis:
Nicht anwenden bei einer Überempfindlichkeit gegenüber Lavendel, da das ätherische Öl in seltenen Fällen Allergien auslösen kann. Nicht in höheren Dosen benutzen.

Innerlich eingenommen werden Zubereitungen aus Echten Lavendelblüten oder Lavendelöl bei nervös bedingten Unruhezuständen und Einschlafstörungen empfohlen. Die Droge wird zur Behandlung funktioneller Oberbauchbeschwerden und nervösem Reizmagen, beim Roemfeld.-Syndrom, ein durch Blähungen im Oberbauch gekennzeichneter Symptomenkomplex, der sich in Herz- Kreislaufbeschwerden äußern kann eingesetzt. Eine Kombination mit anderen sedativ und blähungstreibend wirkenden Pflanzen kann sinnvoll sein.

Spiköl wird wegen des hohen Gehalts von Cineol zur Behandlung von Atemwegserkrankungen wie zum Beispiel Bronchitiden verwendet.

Inhaltsstoffe des Lavendel

Lavendel verfügt nicht nur über einen tollen Duft, sondern er besitzt eine Reihe von wichtigen Inhaltsstoffen. Aus diesem Grund darf Lavendel in keinem Haushalt fehlen. Im Lavendel finden sich rund 2.000 unterschiedliche Wirkstoffe, abhängig von der jeweiligen Lavendelart. Davon sind jedoch nur 300 bis 400 Inhaltsstoffe für die Gesundheit relevant. Die optimale Wirkung entfalten diese Stoffe jedoch nur in Verbindung zueinander.

Linalylazetat zeichnet sich verantwortlich für den charakteristischen Duft und stellt den wohl höchsten und wichtigsten Inhaltsstoff im Lavendelöl dar. Er gehört in der Chemie zur Stoffgruppe der Ester. Je höher das Anbaugebiet liegt, desto höher ist auch der Gehalt von Linalyazetat. Weiteren Einfluss auf die Inhaltsstoffe haben das Klima, der Boden und die Wuchshöhe vom Lavendel.

Linalool ist eine farblose Flüssigkeit, die einen blumigen Duft besitzt. Sie ist der Hauptbestandteil vieler ätherischer Öle und kommt auch in diversen Gewürzpflanzen vor. Linalool ist ein Inhaltsstoff im Lavendelöl und mitverantwortlich für eine antiseptische, entzündungshemmende und antimikrobielle Wirkung.

Weiterhin wird es erfolgreich eingesetzt zur Behandlung von Atemwegserkrankungen, Erkältungen und auch zur Desinfektion von Räumlichkeiten. Auf der Haut und beim Einsatz von Hautkrankheiten lässt sich zum Beispiel Spiköl sehr gut wegen seiner antiseptischen und entzündungshemmenden Eigenschaften verwenden.

Maßgeblich daran beteiligt, wie hoch die Menge an Inhaltstoffen ist, ist die Dauer der Destillation. Zum anderen spielen auch der Erntezeitpunkt und der damit verbundene Reifegrad keine untergeordnete Rolle. Beide Faktoren haben einen entscheidenden Einfluss auf die enthaltenen Inhaltsstoffe. Diese sind im Einzelnen:

  • 1,5 % ätherisches Öl
  • Linalyacetat
  • Linalool
  • Campher
  • Cineol
  • Gerbstoffe (Chlorogensäure, Rosmarinsäure)
  • Flavonoide
  • Triterpene
  • Phytosterol

Einsatzbereiche von Lavendel

Ein Öl aus Lavendel kann im Haushalt mehrfach zum Einsatz kommen. Beispielsweise gibt es kein besseres Mittel gegen Ungeziefer und Spinnen und ist der chemischen Keule auf jeden Fall vorzuziehen. Um Spinnen zu vertreiben reichen schon etwa 10 Tropfen des Öls in Kombination mit wenigen Tropfen Spülmittel in Ecken des Raumes versprüht aus.

Mücken kann jeder im Freien schnell von sich fernhalten, wenn das Öl mit einem Tuch auf der Haut verrieben wird. Daneben können Tropfen, auch in eine Creme oder eine Lotion gegeben werden und Mückenstichen kann der Anwender so vorbeugen.

Weitere Einsatzbereiche:

  • Alterserscheinungen
  • Ekzemen jeglicher Art
  • eingewachsenen Haaren
  • raue Hände
  • Hautausschlag
  • Herpes
  • Mundbläschen
  • Insektenstichen
  • Juckreiz
  • Narbenschmerzen
  • Verstauchungen
  • Quetschungen
  • Überempfindlichkeit der Haut

Wichtiger Hinweis:
Die Anwendung von ätherischen Ölen ist bei Kindern oder Säuglingen nicht immer als unbedenklich einzustufen. Es ist wichtig, nur Produkte zu erwerben, die nicht über mehr als nur höchstens 10 Prozent ätherischer Öle verfügen. Zudem sollte es sich hierbei immer um eine Bio- Qualität handeln.

Haut und Haare

Die Kosmetikindustrie hat Lavendel schon seit vielen Jahren für sich entdeckt. Die Pflanze kommt in unterschiedlichen Produkten für unterschiedliche Zwecke zum Einsatz. Lavendel ist in der Lage, Heilungsprozesse der Haut zu beschleunigen und Entzündungen einzudämmen und zu hemmen. Zudem kann Lavendelöl auch desinfizieren.

Lavendelöl hilft nachweislich bei unreiner Haut, bei Pickeln, sowie auch bei Insektenstichen. Selbst bei Wunden durch Verbrennungen oder einem Sonnenbrand kann das Öl hilfreich sein. Anwender können es verdünnt, als auch direkt auf betroffene Hautstellen geben.

Das Öl kann bei Akne und anderen Hauterkrankungen für Linderung sorgen. Auch hierbei spielt das schon erwähnte Linalool die entscheidende Rolle. Durch die entzündungshemmende Wirkung kommt es auf der Haut zu einem reinigenden und desinfizierendem Effekt. Dies wiederum beugt der Bildung von Akne vor und bei bereits vorhandener Akne verfügt Lavendelöl über eine positive Auswirkung gegenüber der Heilungsdauer.

Lavendelöl hat zudem exzellente Auswirkungen bei der Behandlung von Pilzerkrankungen jeglicher Art. Vor allen Dingen bei Nagel und Fußpilz wirkt Lavendel pur aufgetragen bereits nach wenigen Anwendungen.

Lavendelöl fördert zudem die Bildung von Gallensaft. Die Galle dient dem menschlichen Körper als Hilfe bei der Verdauung von Fetten. Durch eine erhöhte Gallenproduktion kann der Körper mehr Fett verdauen, wodurch der Appetit ansteigt. Außerdem wirkt Lavendelöl beruhigend auf die Muskulatur des Verdauungstraktes, was bei krampfartigen Bauchschmerzen für Linderung sorgt.

Lavendel Dosierung:

Verbraucher können Lavendelblüten in Form von Tee oder auch als ein Bestandteil in Teemischungen erwerben. Die Droge ist zudem in unterschiedlichen pflanzlichen Arzneimitteln enthalten. Hierzu zählen unter anderem:

  • Dragees
  • Trocken- und Fluidextrakten in Kapselform
  • Tabletten
  • Tropfen
  • Tinkturen

Das ätherische Lavendelöl ist ferner in Seifen, Salben und auch Schmerzölen zu finden und wird auch als Geruchskorrigens eingesetzt.

Die mittlere Tagesdosis beträgt, soweit nicht anders verordnet wurde, 1 bis 2 Teelöffel Lavendelblüten pro Tasse Tee. Bei dem Lavendelöl sollten täglich nicht mehr als 1 bis 4 Tropfen genutzt werden. Damit das Öl nicht ganz so bitter schmeckt, kann es auf einem Stück Würfelzucker zum Einsatz kommen. Als Badezusatz darf der Anwender 20 bis 100 Gramm Blüten auf 20 Liter Wasser nutzen.

Tee:
1 bis 2 Teelöffel Lavendelblüten werden mit heißem Wasser übergossen und nach 10 Minuten abgeseiht. Mehrmals täglich, besonders am Abend vor dem Schlafengehen, eine Tasse frisch zubereiteten Tee trinken.

Lavendelöl:
1 bis 4 Tropfen (entsprechen 20 bis 80 Milligramm) als Einzeldosis, z. B. auf einen Stück Würfelzucker einnehmen.

Badtherapie:
20 bis 100 Gramm Lavendelblüten werden mit 2 Liter Wasser kurz aufgekocht, nach 10 Minuten gibt man das abgeseihte Konzentrat in 20 Liter Wasser.

Zubereitungen:

Lavendelblüten sind Bestandteile sogenannter Nerven- und Schlaftees, aber auch von Fertigarzneimitteln zur Behandlung nervöser Schlaf-, Magen- und Darmstörungen und äußerlich anzuwendender Präparate bei rheumatischen Erkrankungen. Ferner sind Fertigpräparate zur Herstellung von Bädern erhältlich. Lavendelöl findet auch Verwendung in der Aromatherapie.

Hinweise:

  • Nicht anwenden bei Überempfindlichkeit gegenüber Lavendel!
  • Das ätherische Öl der Lavendelblüten kann in seltenen Fällen Allergien auslösen!
  • Nicht in höherer Dosierung anwenden!
  • Lavendelöl kann zu Schläfrigkeit führen und möglicherweise die Fähigkeit zum Führen von Kraftfahrzeugen oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen.

Wissenswertes über Lavendel

Ohne die weiten blauen Felder, die mit ihrem Duft ganze Landschaften überziehen, ist die Provence nicht vorstellbar. Von Juni bis August zeigt sich die Pflanze vom Departement Vaucluse bis zu den Alpen der Hochprovence und von den Hautes- Alpes bis zu den Grenzen der Drome von der schönsten Seite.

Mittlerweile ist der Lavendel ein Symbol dieser Landschaft geworden und liefert ein essentielles Öl, das seit 1981 über eine kontrollierte Herkunftsbezeichnung verfügt. Lavendel kann jedoch auch in der Küche Verwendung finden. Es handelt sich um ein ausgefallenes Gewürz, welches sich besonders für deftige Gerichte und Süßspeisen ideal eignet.

Lavendel ist nicht gleich Lavendel, denn die unterschiedlichen Sorten variieren im Aroma. Zudem macht es einen großen Unterschied, ob frische oder getrocknete Blüten verwendet werden sollen. Bei getrockneten Blüten werden mehr ätherische Öle freigesetzt und der Geschmack intensiviert sich.

Das Lavendelaroma kann sehr schnell dominieren und einem Gericht eine zu parfümartige oder zu bittere Note verleihen. Eine sparsame Dosierung ist aus diesem Grund Voraussetzung. In den meisten Gerichten kommt der echte Lavendel zum Tragen. Anhand des Geruches kann der Verbraucher herausfinden, ob die Sorte gemocht wird oder eher nicht. Echter Lavendel ist etwas süßlicher als beispielsweise Schopflavendel, dessen Geruch an Kampfer erinnert und sich deshalb weniger zum Verzehr eignet.

Gewürzt werden sollte nur mit Lavendel, der aus einem ökologischem Anbau, Wildwuchs oder aus dem eigenen Garten stammt. Der Nutzer kann sich auf diese Art sicher sein, dass die Pflanze frei von Pestiziden- oder Herbizid Rückständen ist. Lavendel aus einem Gartencenter ist in den meisten Fällen behandelt und eignet sich nicht zum Verzehr.

Diese Pflanzenteile dürfen verwendet werden

Es dürfen verschiedene Pflanzenteile Verwendung finden. Schön sehen die frischen oder getrockneten Blüten von Lavendel aus, dabei sind die geöffneten Blüten ganz besonders aromatisch und intensiv. Sie können als Gewürz genutzt werden oder auch als essbare Dekoration. Sie eignen sich gleichermaßen auf Plätzchen, Kuchen oder auf einem Salat.

Neben den Blüten werden die jungen Lavendelblätter oder Triebe in der Küche verarbeitet. Diese verfügen über eine etwas harzige und bittere Note. Neben frischen und getrockneten Blättern und Blüten hält Lavendel in verarbeiteter Form Einzug in die deutschen Küchen. Zum Beispiel als Lavendelöl, Lavendelwasser, Lavendelessig, Lavendelsalz oder als Lavendelzucker.