Hafer

Auch wenn der Hafer schon seit mehr als 3.000 Jahren angebaut wird, handelt es sich um ein relativ junges Getreide. Die wilde Form der Kulturpflanze war allerdings schon um 5.000 v. Chr. im Vorderasiatischen Raum bekannt. Da der Hafer in seiner Anfangszeit als Unkraut angesehen wurde, handelt es sich um eine sogenannte sekundäre Kulturpflanze.

Der Hafer wird weltweit als Lebens- und Futterpflanze kultiviert. Die Pflanze ist ein einjähriges hellgrünes bis zu 1 Meter hoch wachsendes Gras. Die stärkehaltigen Körner stehen nicht wie bei anderen Getreidearten in Ähren, sondern hängen in Rispen herab. In der Volksheilkunde verwendet werden die entspelzten Haferfrüchte (Rollhafer), die grünen, kurz vor der Blüte geernteten oberirdischen Pflanzenteile (grüner Hafer) und die getrockneten und gedroschenen Blätter und Stängel (Haferstroh).

Steckbrief: Hafer, Saat- Hafer

Pflanze:Avena sativa L.
Familie:Süßgräser (Poaceae = Gramineae)
Herkunft:Der Hafer wird vorwiegend in Mitteleuropa angebaut. Die Pflanze jedoch weltweit kultiviert.
Synonyme:Biwen, Habern, Hauwe, Rispenhafer, Saathafer

Anwendungen:

Der Hafer ist zwar eine geläufige Getreideart, kaum aber jemand weiß, dass er wohl das gesündeste Getreide ist. Er ist nicht nur nährstoffreich, sondern besitzt auch kaum Gluten. Hafer ist das Getreide, wenn es um die Gesundheit schlechthin geht.

Was den Hafer so beliebt macht ist leicht zu erklären, denn er verfügt über einen herausragenden Geschmack. Vor allen Dingen dann, wenn er als Frischkornmüsli, als Flocke oder Brei auf den Teller kommt.

Auch die Inhaltsstoffe sind kaum zu überbieten, denn das Getreide hat jede Menge an Nähr- und Vitalstoffen aufzuweisen. Allein 40 Gramm der Flocken beinhalten 7,8 Mikrogramm Biotin, was einem Viertel der empfohlenen Tagesdosis entspricht.

Biotin sorgt bei einem Menschen nicht nur für gesunde Fingernägel, sondern auch für gesunde Haut und rundum schönes Haar.

Haferfrüchte:

In der Volksmedizin werden Zubereitungen aus den entspelzten Körnern (Rollhafer), als Stärkungsmittel und bei Magen- Darmerkrankungen (Haferschleim) eingesetzt. Die dem Rollhafer nachgesagten cholesterolsenkenden und entzündungshemmenden Wirkungen sind nicht belegt. Haferkörner enthalten Stärke, lösliche Polysaccharide, fettes Öl, Steroide und Vitamine der B- Gruppe (vor allem im Keimling) und sind Bestandteil einer gesunden Ernährung.

Grüner Hafer / Hafer Tee:

Aus den kurz vor der Vollblüte geernteten und rasch getrockneten oberirdischen Pflanzenteilen wird das grüne Haferkraut gewonnen, dass zusätzliche Flavonoide und Kieselsäure enthält. Teezubereitungen sollen bei nervöser Erschöpfung und Schlaflosigkeit, bei Rheuma und Gicht und als Durchspülungstherapie bei Stein- und Nierenleiden helfen. Die Wirksamkeit ist jedoch nicht belegt.

Haferstroh:

Haferstroh besteht aus den getrockneten und gedroschenen Laubblättern, als auch den Stängeln des Hafers. Bäder aus Haferstroh werden bei juckenden, entzündlichen Hauterkrankungen eingesetzt, eine Wirksamkeit ist jedoch nicht belegt.

Da Haferstroh über eine juckreizstillende und entzündungshemmende Eigenschaft verfügt, kann laut Kommission E, welche dieses als positiv bewertet hat, auch gegen Neurodermitis verwendet werden. In der Volksmedizin wird Haferstroh neben einer Anwendung als Beruhigungsmittel, auch bei Rheuma, Gicht und einigen Lebererkrankungen empfohlen.

Inhaltsstoffe:

Neben den Kohlenhydraten zeichnet sich Hafer durch diverse andere Inhaltsstoffe aus. Dazu zählen:

  • Flavonoide
  • Flavonolignane
  • Eiweiß
  • Mineralstoffe
  • Ballaststoffe
  • Fett
  • Wasser

Hafer verfügt über einen relativ hohen Eiweißgehalt. Diese Proteine setzen sich wiederum aus essentiellen Aminosäuren zusammen, die der menschliche Körper nicht selber produzieren kann. Die essenziellen Aminosäuren spalten sich auf in:

  • Isoleucin
  • Leucin
  • Methionin
  • Phenylalanin
  • Valin

Auch in den Mineralstoffen steckt so einiges, sie verfügen unter anderem über Kalium, Eisen, Zink, Calcium, Phosphor und Magnesium. Nicht zu vergessen ist jede Menge an Vitaminen, die den Hafer so gesund machen. Zu ihnen zählen nicht nur Vitamine aus der B- Gruppe, sondern auch Vitamin E. Allerdings besitzt das Getreide auch diverse Kalorien, denn 100 Gramm beinhalten schon rund 337 Kilokalorien.

Ob Haferschleim, Haferbrei, Haferkleie oder Haferflocken, das Getreide ist nicht nur bei Sportlern beliebt, denn es liefert viel Energie, auch andere wissen Hafer zu schätzen, da es kaum belastet und das gefürchtete Völlegefühl so gut wie ausbleibt.

Wirkung: Hafer

Das Hafer gesund ist, ist seit Jahrhunderten bekannt. Schließlich wurde es in grauer Vorzeit sogar zum Bierbrauen genutzt. Heute wird es in der Hauptsache an Tiere verfüttert, aber in der letzten Zeit wurde es auch bei den Menschen wieder populär. Das gesunde Getreide verfügt nämlich über enorme Heilkräfte und wirkt sich positiv auf Knochen, Zähne und ein widerstandsfähiges Nervenkostüm aus.

In der Regel kennt jeder Haferflocken nur, wenn sie im Müsli oder als Porridge auf den Tisch kommen. Grund hierfür ist: Hafer eignet sich weniger zum Backen, was an dem wenigen Gluten (Klebereiweiß) liegt. Fakt jedoch ist: Hafer ist ein schneller Energielieferant, besitzt leicht verdauliche Kohlehydrate und verursacht trotz allem kein Völlegefühl.

Um den Hafer in die Flockenform zu bringen, wird das geschälte und gedörrte Korn platt gewalzt. Für das ganze Korn kommen die ganzen Körner in die Tüte und für das Mehl werden gebrochene und lösliche Körner bevorzugt. Aller drei Varianten haben eines gemeinsam, denn sie beinhalten sämtliche Nährstoffe, die aus dem vollen Korn herausgeholt werden können.

Der große Anteil an Ballaststoffen kann das Risiko an einer Herz- Kreislauf- Erkrankungen zu erkranken stark abmindern, zudem wirkt sich Hafer positiv auf den Cholesterinspiegel, den Bluthochdruck und auch auf Diabetes aus. Wohl jeder kennt den ungeliebten Haferschleim, bei einem verdorbenen Magen, aber bei einer entzündeten Magen- Darm- Schleimhaut bilden die Hafer- Inhaltstoffe eine gelartige Schutzschicht und tragen somit zur Genesung bei.

Das Getreide ist in Bezug auf die Gesundheit ein wahrer Allrounder. Hafer wirkt stimmungsaufhellend und kann sogar, als Haferkraut- Tee bei Entzugserscheinungen helfen, wie sie beispielweise nach dem Absetzen von Antidepressiva oder Beruhigungsmitteln auftreten.

Da Hafer ein hervorragender Eisenlieferant ist, ist er für Personen, die unter Eisenmangel oder Blutarmut leiden zu empfehlen. Diabetiker profitieren ebenso, wie Vegetarier. Was viele nicht wissen. Hafer ist auch zur äußerlichen Anwendung bestens geeignet, denn der Inhaltsstoff Biotin sorgt nicht nur für feste Fingernägel, sondern auch für gesundes Haar.

Hafer hilft zudem bei:

  • depressiven Stimmungen
  • nervöse Erschöpfung
  • rheumatischen Erkrankungen
  • Diabetes
  • Magenschmerzen, Problemen bei der Verdauung
  • Herzerkrankungen
  • Spliss
  • Hautunreinheiten
  • ungesundem Haar
  • spröde Finger- und Fußnägel

Sämtliche Aussagen sind von der Kommission E nicht belegt und es besteht keine Gewährleistung.

Eine gesicherte Wirksamkeit besteht jedoch bei entzündlichen und seborrhoischen Hauterkrankungen, die mit Juckreiz einhergehen. Hier wird in der Regel Haferstroh empfohlen.

Eine therapeutische Wirkung hingegen wird der in dem Hafer- Stroh enthaltenen Kieselsäure und den Mineralstoffen zugeschrieben. Das Hafer cholesterinsenkend wirkt, ist wahrscheinlich den Ballaststoffen zuzuordnen und möglicherweise liegt der beruhigende Effekt am beinhalteten Gramin.

Anwendungsgebiete und Wirkung:

Anwendungsgebiete:Wirkung:
Haferstroh: Hauterkrankungen, entzündliche und seborrhoische, JuckreizAnti- estrogen, beruhigend (sedierend), schlaffördernd
Haferkraut: Aufbau und Kräftigung, senkt Cholesterinspiegel, Rheuma, urologische Beschwerdensedierend, FSH- stimulierend, LH­- stimulierend, schlaffördernd
Haferfrüchte ohne Spelzen: Mittel zur Senkung von Cholesterinspiegel, des Blutzuckers, der Blutwerte und Magen- Darm- Beschwerdenantioxidativ, blutdrucksenkend, blutzuckersenkend, Harnsäure- Serumspiegel- senkend,

Dosierung:

Der Handel bietet Haferkraut in Form von Tee und diversen anderen Zubereitungsformen an. In der Regel handelt es sich hierbei um Mischungen aus grünem Hafer- Tee und einen Zusatz von Brennnesselkraut, Himbeerblättern oder Frauenmantelkraut.

Haferzubereitungen, als traditionelles Arzneimittel, wird in Form von zum Beispiel, Säften angeboten. Haferstroh hingegen kommt als Badezusatz zur Anwendung. Eine Empfehlung von einer mittleren Tagesdosis für Haferkraut, als auch Haferfrüchten kann nicht ausgesprochen werden. Für ein Vollbad werden in der Regel rund 100 Gramm Haferstroh auf eine Wannenfüllung verwendet.

Hafer- Tee:

Ein gehäufter Esslöffel grüner Hafer- Tee (ca. 3 Gramm) wird mit 250 ml kochendem Wasser übergossen. Nach Abkühlen auf Zimmertemperatur wird der Aufguss abgeseiht. Mehrmals täglich oder kurz vor dem Schlafengehen eine Tasse Tee ungesüßt oder nur schwach gesüßt zu sich nehmen.

Haferstroh:

Für ein Vollbad 100 Gramm zerkleinertes Haferstroh mit 3 Liter Wasser für 30 Minuten stehen lassen. Der abgeseihte Sud wird einem Vollbad zugegeben.

Zubereitungen:

Auszüge aus grünem Hafer sind in einzelnen homöopathischen Arzneimitteln aus der Gruppe der Sedativa, Auszüge aus Haferstroh in einzelnen medizinischen Badezusätzen enthalten. Im backtechnischen Sinn ist der Einsatz von Hafer für Brot und Backwaren leider nur bedingt möglich. Haferflocken oder Hafermehl können rund ein Fünftel bis ein Viertel, der im Rezept angegebenen Mengen an Mehl ersetzen.

In vielen Bäckereien sind Haferbrötchen oder Haferbrot erhältlich. Diese können so benannt werden, wenn der Haferanteil (Hafermehl, Haferflocken) circa 20 Prozent beträgt. Haferflocken werden teilweise auch als Dekoration auf Brötchen oder Brot verwendet.

Personen, die unter einer Allergie auf Kuhmilch leiden, können sich unter Umständen mit einem Hafer Drink weiterhelfen. Der Drink ist ebenfalls für Veganer oder diejenigen geeignet, die wenige oder keine tierischen Lebensmittel zu sich nehmen.

Weitere Zubereitungen sind Hafercerealien, welche aus weiterverarbeiteten Produkten aus Hafer bestehen. Die extrudierten Cerealien Produkte werden aus Hafervollkornmehl und weiteren Zutaten hergestellt. Andere Cerealien werden aus dem ganzen Haferkorn hergestellt wobei Druck und Dampf zum Tragen kommen. Zur Verwendung kommt diese Form der Zubereitung im Müsli, als Topping für Porridge oder Pfannkuchen.

Wichtige Hinweise:

  • Bei bestimmten Personen, können auf das in Getreide enthaltenen Gluten, Nahrungsmittelunverträglichkeiten auftreten.
  • Ansonsten sind keine Risiken und Nebenwirkungen bekannt.

Badtherapie:

Prinzipiell sollte keine Badtherapie bei größeren offenen Verletzungen, hohem Fieber, Infektionskrankheiten, Herzinsuffizienz oder Bluthochdruck durchgeführt werden.

Nebenwirkungen:

Bei Dosen, die therapeutischen Zwecken dienen, sind bei einer Einnahme von Haferkraut und Haferstroh keine Nebenwirkungen bekannt. Bei Haferfrüchten konnten in seltenen Fällen Überreaktionen beobachtet werden. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Gegenanzeigen sind ebenfalls nicht zu erwarten.

Anbau von Hafer:

Hafer wächst tief in die Erde und verzweigt sich soweit, dass es für ihn keine Probleme darstellt, selbst an Nährstoffe zu gelangen, wenn es sich um einen oft bebauten Acker handelt. Das Getreide wächst selbst auf relativ ungünstigen Bodenstrukturen, wie zum Beispiel einem gerodeten Waldboden oder einem entsumpften Gelände.

Erfahrene Anbauer erzielen gute Fruchterfolgswerte, indem sie den Hafer als Vorfrucht für Winterweizen oder Winter- und Sommergerste nutzen. Die größten Hafer produzierenden Länder im Bereich der EU sind Polen, Finnland, England, Spanien, Schweden, als auch Deutschland.

Wissenswertes über Hafer

Der Hafer ist wohl die gesündeste Getreidesorte überhaupt. Er verfügt über viele hochwertige Inhaltsstoffe, darum ist es kein Wunder, dass Hafer sich wieder auf dem Vormarsch befindet. Hafer wird erst seit rund 3.000 Jahren angebaut, während es andere Getreidearten bereits auf bis zu 6.000 Jahre bringen.

Der Grund ist, dass Hafer in früheren Jahren eher als Unkraut galt, was seinem Wuchs zuzuschreiben ist. Anders wie bei Gerste oder Roggen wächst der Hafer nicht als Ähre, sondern als Rispe. Da sich die Ernte als schweißtreibende Arbeit herausstellte und der Ertrag nicht sonderlich umfangreich war, führte das Getreide über Jahrhunderte ein eher tristes Dasein.

Dabei ist Hafer überaus gesund und kann einen wichtigen Beitrag zur Ernährung des Menschen leisten. Schließlich verfügt das Getreide über diverse Inhaltsstoffe wie Biotin, die Vitamine B1 und B 6, Magnesium und Eisen.

Letzteres spielt eine überaus wichtige Rolle, denn Hafer kann als täglicher Eisenlieferant gute Dienste leisten, hierbei wird sogar Fleisch noch übertrumpft. Aber auch mit Magnesium kann Hafer aufwarten, das ist auch der Grund, warum Hafer in Form von Haferflocken oder fein geschrotet zum Frühstück, als Müsli oder Porridge verzehrt wird.

Tipp:
Hafer beinhaltet so viele wertvolle Inhaltsstoffe, dass er seinen festen Platz auf den Speiseplan bekommen sollte. Es bieten sich zum Beispiel Haferbrei oder Haferflocken an, die in weicher, aber auch kerniger Form verzehrt werden können.

Ein besonderer Vorteil von Hafer ist, er besitzt nur wenig Gluten, im Vergleich mit anderen Getreidesorten. Gerade die Personen, die eine Gluten- Unverträglichkeit (Zöliakie) haben, sollten sich diesen Vorteil zunutze machen. Allerdings muss darauf geachtet werden, dass Hafer nicht mit anderen Getreidesorten gemischt wurde. Als Faustregel gilt hier: Menschen, die unter einer Gluten- Unverträglichkeit leiden, sollten pro Tag maximal nur 50 Gramm nicht kontamierten Hafer verzehren, dieses auch nur dann, wenn sie unter ärztlicher Aufsicht stehen.