Mistel

Die Mistel ist ein immergrüner, auf Laubbäumen (außer Buche), halbschmarotzender Busch von fast kugeligem Wuchs und 60cm bis 90 cm Größe. Einige Arten wachsen auch auf Nadelbäumen. Die runden, gelblichgrünen, mehrfach gabelästig verzweigten Zweige sind an den Gelenken knotig verdickt. Die Früchte sind erbsengroße weiße, z.T. auch gelblich bis orange Scheinbeeren. Für medizinische Zwecke ist die Unterscheidung nach Wirtsbäumen, z.B. Apfelbaum, Tanne, von Bedeutung. Die Mistel spielte im Altertum eine große Rolle in der Mythologie.

Steckbrief: Mistel

Pflanze:Viscum album L.
Familie:Mistelgewächse (Loranthaceae)
Herkunft:Die Mistel ist in Europa und Asien heimisch. Importiert wird die Droge hauptsächlich aus den Balkanländern, Rußland und der Türkei.
Synonyme:Affolter, Bocksbutter, Drudenfuß, Elfklatte, Geißkrut, Guomol, Hexenbesen, Hexenkrut, Hexennest, Immergrüne

Anwendung:

  • unterstützend zur Therapie von Krebsleiden (parenterale Anwendung)
  • Gelenkentzündungen
  • Herz-Kreislauferkrankungen

Die Mistel enthält stark wirksame Eiweißstoffe (Viscotoxine) und Glykoproteine (Lektine), die blutdrucksenkend und zellabtötend wirken und die körperlichen Abwehrkräfte steigern. Diese Substanzen gelangen jedoch nur bei Gabe als Injektion (parenteral) intakt in den Organismus. Bei der peroralen Einnahme, d.h. bei der Einnahme als Tee, Kapseln, Dragees oder Tropfen, werden die Verbindungen zersetzt und es ist unwahrscheinlich, dass sich dann die der Mistel zugeschriebenen Wirkungen entfalten können. Ferner sind Polysaccharide, Flavonoide und einfache Amine in der Pflanze enthalten.

Mistellektine sind stark toxisch und ähnlich dem Gift Ricin des Rizinus (Wunderbaum) aufgebaut. Diese werden jedoch wie die giftigen Viscotoxine bei Einnahme nicht in den Organismus aufgenommen, so dass in der Regel keine Vergiftungserscheinungen beobachtet werden. Die Wirksamkeit oraler Präparate gegen Bluthochdruck und Arteriosklerose ist nicht belegt und kann daher nicht empfohlen werden.

Die Verwendung der Mistel bei Krebsleiden ist heftig umstritten. Es gibt Präparate entsprechend der anthroposophischen Therapierichtung und solche, die den phytotherapeutischen Ansatz verfolgen, d.h. die Wirksamkeit über Inhaltsstoffe, hier dem Mistellektin I, erklären. In den verwendeten Dosierungen wirken Mistellektine nicht direkt zellabtötend sondern immunmodulatorisch und sollen durch eine verbesserte Abwehrlage des Körpers die Lebensqualität steigern. Eine Therapie sollte aber nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt und unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden.

Bei entzündlichen Gelenkerkrankungen wird versucht über die durch die Injektion örtlich hervorgerufenen starken Entzündungen die eigentliche Erkrankung günstig zu beeinflussen. Die parenteralen Anwendungen können mit starken Nebenwirkungen verknüpft sein (s. Hinweise).

Die Einnahme von Mistelpräparaten wird in der Regel gut vertragen und soll gegen leichten Bluthochdruck und Arteriosklerose wirken. Dies ist jedoch nicht belegt.

Dosierung:

Tee:
Keine Empfehlung möglich.

Parenterale Zubereitungen:
Unter ärztlicher Aufsicht.

Zubereitungen:

Mistel ist gebräuchlich als Tee, Frischpflanzensaft und in einigen Fertigarzneimitteln zur Behandlung leichten Bluthochdrucks enthalten. Eine Wirksamkeit ist jedoch nicht belegt.

Injektionslösungen werden zur unterstützenden Therapie von Krebserkrankungen und zur Behandlung degenerativer Gelenkerkrankungen verwendet.

Diese Präparate sind verschreibungspflichtig!

Hinweise:

  • Nicht anwenden bei Überempfindlichkeit gegenüber Misteleiweißen, chronischen Infektionen (z.B. Tuberkulose), hohem Fieber!
  • Nicht während Schwangerschaft und Stillzeit anwenden!
    Bei der Anwendung von Mistelpräparaten als Injektion ist mit starken Nebenwirkungen zu rechnen. Es kann zu Fieber, Schüttelfrost, Herz- und Kreislaufstörungen und allergischen Reaktionen kommen. Bei der Injektion in die Haut werden starke Entzündungen erzeugt, die bis zur Gewebszerstörung (Nekrose) führen können.
  • Wechselwirkungen:
    Durch eine Misteltherapie können Herzleistung, Blutdruck und Blutzuckerspiegel beeinflusst werden. Daher sollten Personen mit diesen Erkrankungen vor einer Anwendung ärztlichen Rat einholen.
    Die Einnahme von Mistelpräparaten wird in der Regel gut vertragen. Da die Wirkstoffe der Mistel aber bei dieser Art der Anwendung nicht intakt den Organismus erreichen, ist eine Wirkung wenig wahrscheinlich. Die Einnahme der Mistelfrüchte kann zu Erbrechen führen.