Schöllkraut

Die bis zu 1 m hoch wachsende, ausdauernde Pflanze findet sich vor allem auf stickstoffreichen Böden, oft in der Nähe von Schuttplätzen, Zäunen, Hecken und an Weg- und Straßenrändern. Beim Pflücken tritt ein gelber Milchsaft aus. Schöllkraut besitzt einen scharfen und bitteren Geschmack und einen eigentümlich widerlichen Geruch. Medizinisch verwendet werden das im Herbst gesammelte Kraut und die Wurzel.

Steckbrief: Schöllkraut

Pflanze:Chelidonium majus L.
Familie:Mohngewächse (Papaveraceae)
Herkunft:Die Pflanze ist in Europa sowie in Mittel- und Nordasien beheimatet. Drogenimporte stammen aus Osteuropa.
Synonyme:Blutkraut, Gelbes Millkraut, Goldwurz, Großes Schöllkraut, Schellkraut, Schillkraut, Schwalbenwurz, Warzenkraut, Wulstkraut

Anwendung:

Schöllkraut enthält in allen Pflanzenteilen Benzylisochinolinalkaloide, die ähnlich dem Papaverin leicht krampflösend auf den oberen Gastrointestinaltrakt wirken, proteolytische Enzyme und Pflanzensäuren. Ebenso werden dem Schöllkraut eine anregende Wirkung auf den Gallenfluss und eine schmerzhemmende Wirkung nachgesagt. Daher werden Zubereitungen aus Schöllkraut bei krampfartigen Beschwerden der Gallenwege und des oberen Magen-Darmtraktes angewendet.

Der Gehalt an wirksamen Alkaloiden ist sehr stark abhängig vom Standort der Pflanze sowie des Sammelzeitpunkts und des Trocknungsverfahrens.

Während die Anwendung von Schöllkraut früher als unbedenklich galt, sind seit 1997 jedoch zunehmend Nebenwirkungen beobachtet worden, die zu einer Einschränkung der Leberfunktion führten (Anstieg der Leberwerte, Cholestase, Hepatitiden). Da Schöllkraut als Gallemittel Verwendung findet, sind solche Nebenwirkungen besonders kritisch zu betrachten, da sie leicht der Grundkrankheit und nicht dem Präparat zugeschrieben werden könnten (s. Hinweis).

Volksmedizinisch wird der frische Milchsaft aus dem Stängel zur örtlichen Behandlung von Warzen verwendet.

Dosierung:

Tee:
Die innerliche Anwendung des Schöllkrauts als Tee ist nicht mehr sehr gebräuchlich.

Mittlere Tagesdosis:
Aufgrund des Stufenplanverfahrens durch das BfArM vom 09.04.2008 sind nunmehr Fertigarzneimittel zugelassen, deren Tagesdosierung 2,5 mg Gesamtalkaloide berechnet als Chelidonin nicht überschreitet.

Zubereitungen:

Schöllkraut ist Bestandteil verschiedener Fertigarzneimittel aus der Gruppe der Spasmolytika und Gallemittel.

Hinweise:

  • Nicht bei akuten Lebererkrankungen, Lebererkankungen in der Vorgeschichte und / oder bei gleichzeitiger Einnahme leberschädigender Arzneimittel (z.B. Paracetamol) oder Alkohol anwenden!
    Bei Einnahme insbesondere von Schöllkraut haltigen Präparaten wurde ein Anstieg der Leberwerte, des Billirubins bis hin zu arzneimittelbedingter Gelbsucht sowie Fälle von Leberversagen beobachtet.
  • Wenn Zeichen einer Leberschädigungen (Gelbfärbung der Haut oder Augen, dunkler Urin, entfärbter Stuhl, Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Appetitverlust, Müdigkeit) auftreten, ist die Einnahme sofort zu beenden und ein Arzt aufzusuchen.
  • Nicht während Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern unter 12 Jahren anwenden!
  • Bei einer Anwendungsdauer von über 4 Wochen sollten die Leberwerte kontrolliert werden!
  • Bei Beschwerden, die länger als eine Woche andauern oder regelmäßig wieder kehren, sollte ein Arzt aufgesucht werden! Bei Gallensteinleiden nur nach Rücksprache mit dem Arzt anwenden!
  • Aufgrund der z.T. beobachteten schweren Nebenwirkungen und der bisher nur unzureichend belegten Wirksamkeit kann die Verwendung schöllkrauthaltiger Präparate nicht mehr empfohlen werden.