Tollkirsche

Schon in 400 bis 500 Jahre alten Kräuterbüchern, finden sich Erwähnungen über die Tollkirsche. Die tödliche Wirkung war schon damals bekannt, sie galt aus diesem Grund zu dieser Zeit auch als Hexenbeere. Zudem wurde sie in der Kosmetik verwendet, daher auch der Name „Belladonna“, was übersetzt nichts anderes bedeutet, als „schöne Frau“.

Die Tollkirsche (Atropa belladonna) oder auch Belladonna genannt, gehört zur Familie der Nachtschattengewächse. Die Giftpflanze ist in der Lage unterschiedliche Gemütszustände auszulösen. Zum einen zeigt sich eine gewisse Euphorie, dann wiederum rauschartige Zustände bis hin zu Halluzinationen.

Die Übersetzung „schöne Frau“ wird von der Atropin Wirkung abgeleitet. Im Mittelalter wurde bei Frauen, die die Tollkirsche verabreicht bekamen, eine Vergrößerung der Pupillen zu beobachten. Die Einsatzbereiche der Tollkirsche sind mannigfaltig, jedoch ist Belladonna eines der wichtigsten Entzündungsmittel.

Giftpflanze! Die Tollkirsche ist in Europa und Kleinasien beheimatet und aufgrund ihrer in allen Pflanzenteilen vorkommenden Alkaloiden sehr giftig. Bereits geringe Mengen können tödlich sein. Die ausdauernde, krautige Pflanze wird 1 bis 2 Meter hoch und blüht zwischen Juni und August. Die einzeln hängenden Blüten haben eine glockig- röhrige Form und sind außen violett gefärbt.

Die Frucht ist leicht zu erkennen, da sie anfänglich grün, später glänzend schwarz wird, eine Kirschgröße erreicht und auf sternenförmig angeordneten Kelchblättern sitzt. Da es immer wieder, vor allem bei Kindern, zu Vergiftungen kommt, wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit empfohlen, giftige Pflanzen nicht in Anlagen wachsen zu lassen, die Kindern leicht zugänglich sind.

Steckbrief: Tollkirsche

Pflanze:Atropa belladonna L.
Familie:Vorsicht Giftig!! Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Herkunft:Die Heimat der Giftpflanze ist West-, Mittel- und Südeuropa, der Balkan, der Iran, Nordafrika, Kleinasien, Dänemark, Schweden und Irland.
Synonyme:Chrottenblume, Deiweichskersche, Judenkernlein, Judenkirsche, Rasewurz, Schwarber, Teufelsauge, Tollbeere, Waldnachtschatten

Anwendung:

Gefahr und Heilung liegen bei der Tollkirsche so dicht beieinander, wie bei kaum einer anderen Pflanze. Schon kleinste Überdosen können ausreichen, um nicht nur Bewusstseinsstörungen, sondern auch Halluzinationen hervorzurufen.

Die Wirkung ist immer abhängig von der richtigen Dosierung!

Der Saft der Tollkirsche schmeckt nicht nur sehr süß, er ist auch äußerst giftig. Von einer Einnahme ohne vorherigen fachmännischen Rat ist daher dringend abzusehen.

Sämtliche Pflanzenteile enthalten Tropanalkaloide, u. a. Atropin, Hyoscyamin und Scopolamin, die die Wirkung des körpereigenen Botenstoffes Acetylcholin aufheben (Parasympatholytika) und zusätzlich auf das Zentralnervensystem wirken.

Dabei unterscheiden sich die Wirkungen der einzelnen Alkaloide und ihre therapeutische Breite, sodass heute überwiegend die Einzelsubstanzen als standardisierte Fertigarzneimittel (z. B. Scopolamin gegen Übelkeit und Erbrechen, Atropin zur Pupillenerweiterung bei augenärztlichen Untersuchungen, als Antidot gegen Vergiftungen mit Insektiziden, zur Narkosevorbereitung) eingesetzt werden.

Die Pflanze und alle Zubereitungen sind verschreibungspflichtig und nicht für die Selbstmedikation geeignet (s. H.)

Inhaltsstoffe:

Bei der Tollkirsche handelt es sich um eine sehr giftige und somit gefährliche Pflanze, die im Laufe der Zeit für diverse Todesfälle verantwortlich war. Verwandt ist die Frucht mit der aus Amerika kommenden Kartoffel und Tomate, deren grüne Teile ebenfalls stark giftig sind.

Zu den Inhaltsstoffen zählen:

  • Alkaloide
  • Atropin (Giftstoff)
  • Bitterstoffe
  • Flavonoide
  • Hyoscamin

Die gesamte Pflanze enthält zwischen 0,272 und 0,511 % Tropanalkaloide, In den Stängeln finden sich bis zu 0,9 %, in unreifen Früchten bis 0,8 %, in reifen Früchten 0,1 % bis 9,6 % und in den Samen nur rund 0,4 % Alkaloide.

Medikamente mit Inhaltsstoffen der Tollkirsche werden in Apotheken angeboten. Hier kann sich jede Person individuell beraten lassen. Bei der Einnahme ist nicht nur Mischung, sondern auch die genaue Dosierung zu beachten. Die Heilwirkung hingegen ist mannigfaltig, sie reicht von Kopfschmerzen bis Fieber.

Dosierung:

Die Tollkirsche ist eine schwer dosierbare Pflanze, wobei die Wirkung in erster Linie auch von der Konstitution einer Person abhängig ist. Es handelt sich um eine der wenigen Heilpflanzen, bei der der Grat zwischen Heil- und Unheil sehr eng ausfällt.

  • maximale Einzeldosis entsprechend 0,50 mg Gesamtalkaloiden
  • maximale Tagesdosis entsprechend 1,5 mg Gesamtalkaloiden

Weitere Dosierungen dürfen nur nach Vorschrift eines Arztes erfolgen!

Zubereitungen:

Vor längerer Zeit wurden Belladonna Blätter und andere Zubereitungen aus den Blättern bei Krämpfen oder Kolik- artigen Schmerzen verabreicht. Schwerpunkte waren der Magen- Darm- Trakt und die Gallenwege. Heute wird dieses nicht mehr praktiziert, denn es gibt nur eine sehr geringe therapeutische Breite und die Wirkungen sind ebenfalls als eher gering einzustufen. Ebenfalls davon abzusehen ist die Zubereitung von einem Teeaufguss.

In der Heilmedizin werden ausschließlich nur die Wurzel, sowie das Kraut verwendet. In der Homöopathie kann es vorkommen, dass die gesamte Pflanze zur Anwendung kommt. Das Kraut wird zwischen Juni und Juli gesammelt, die Wurzel zwischen Juni und August. Unterschiedliche Pflanzenteile können bei den verschiedensten Erkrankungen zum Einsatz kommen.

Generell ist die Einnahme der Tollkirsche sehr umstritten, von einer Anwendung wird eher abgeraten. In der Homöopathie allerdings sind mehrere Einsatzbereiche bekannt, in der Regel geschieht dies in Form einer Tinktur. Diese wird aus dem frisch gepressten Saft der Frucht gewonnen. Je nach Art der Beschwerden werden ein bis zwei Tropfen mit Wasser verdünnt aufgetragen. Der Vorgang darf sich alle zwei bis drei Stunden wiederholen.

Erste Vergiftungserscheinungen nach dem Genuss von der Tollkirsche äußern sich in:

  • Mundtrockenheit
  • Gesichtsrötung
  • Herzrasen
  • Lähmung des Parasympathikus
  • Unruhe
  • Schluckbeschwerden
  • Schlaflosigkeit

Externe Drüsen wie beispielsweise die Schweißdrüsen werden blockiert und Übelkeit, als auch Erbrechen werden so unterdrückt. Die giftigen Bestandteile verbleiben im menschlichen Körper und Halluzinationen treten auf.

Hinweise:
Die therapeutische Breite der Tropanalkaloide ist gering, alle Pflanzenteile sind sehr giftig! Vor allem kleine Kinder sind versucht, die kirschenähnlichen Beeren zu probieren. Bereits kleinste Mengen der Pflanze können zum Tode führen. Im Verdachtsfall sollte sich an den Giftnotruf gewendet werden.

Die Vergiftungserscheinungen äußern sich wie oben aufgeführt. Hinzu kommen Pupillenerweiterung, Beschleunigung des Herzschlages, Wärmestau, Beschwerden beim Wasserlassen und Obstipation. Bei höheren Mengen kommt es zu zentraler Erregung (Unruhe, Tobsuchtsanfälle), später zu Erschöpfung und Schlaf, schließlich zur Atemlähmung.

Tollkirsche in der Augenheilkunde

In der modernen Augenmedizin wird der Wirkstoff Atropin verwendet und zwar in modifizierter Form, dem Cyclopentolat. Der Wirkstoff dient zur Pupillenerweiterung (Mydriatikum) und wird zudem zur Muskellähmung des Augapfels eingesetzt. Der Augenarzt kann so durch die erweitere Pupille den Augenhintergrund einsehen und diesen besser untersuchen.

Wissenswertes über die Tollkirsche

Im Volksglauben galt die Tollkirsche als eine Art Zauberpflanze. Überlieferungen zufolge soll die Pflanze eine Zutat der Hexensalbe gewesen sein. Atropa, vom griechischen Atropos abgeleitet, ist in der griechischen Mythologie der Name der Todesgöttin.

Der deutsche Name Tollkirsche spiegelt Vergiftungserscheinungen wieder. Nach höheren Dosen stellen sich Rededrang, Weinkrämpfe, aber auch Bewusstseinsstörungen ein.

Zur Zeit der Hexenverfolgungen erlangte die Pflanze einen unrühmlichen Platz. Es wurde eine Salbe zubereitet, mit der angebliche Hexen eingerieben wurden. Unter dieser Wirkung gaben die angeblichen Opfer unter Folter dann zu, was man von ihnen hören wollte. Aber auch Gift- und Liebestränke wurden aus der hochgiftigen Tollkirsche zubereitet.

Die Pflanze bevorzugt einen nährstoffreichen Kalk- oder Gneis- Boden. Sie ist häufig auf Waldlichtungen von Laub- und Nadelwäldern zu finden. Auch an Waldrändern und auf Brachflächen bis in Höhenlagen von bis zu 1.700 Metern kann die Tollkirsche angetroffen werden.

Die reich verzweigte Pflanze erscheint kräftig und verfügt über stumpfkantige, oft etwas rötlich angelaufene Stängel. Sie wächst aufrecht und weist eine feine Behaarung auf. Die Blätter der Tollkirsche erreichen oftmals eine Länge von bis zu 15 Zentimeter und eine Breite von rund 8 Zentimeter.

Die Samen werden in der Regel von Vögeln ausgebreitet. Besonders Drosseln, Amseln und Spatzen haben es auf die Pflanze abgesehen. Auch Schnecken knabbern die Früchte gerne an. Die dabei aufgenommen kleinen Samen werden etwa 10 bis 12 Stunden später unversehrt wieder ausgeschieden.